Kostenübernahme/-beteiligung der Krankenkasse

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Sus
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dabei seit: 03.03.2010

Hi

 

ich bin beim Googeln auf euer Forum gestoßen. Ich bin eine Bio-Frau, kenne aber einige eurer Probleme. Ich leide an Hirsutismus, ich bin also übermässig behaart und das nach männlichem Muster. (und ich bin ziemlich groß, naja also 1,80, aber in meinem Bekanntenkreis die Größte)

Ich habe vor mir die Haare mit Laser oder Nadelepi entfernen zu lassen, das wäre schon mein erstes Problem, ich kann mich nicht entscheiden, jeder sagt was anderes, mein Gefühl sagt bisher Nadelepi, aber für größere Flächen ist das wohl nicht denkbar.

 

Naja, eigentlich geht es hier erstmal ums Gesicht, und zwar möchte ich, dass meine Krankenkasse (gesetzliche) sich an den Kosten beteiligt/sie übernimmt. Aber ich habe nicht im Geringsten Ahnung wie ich das überhaupt angehen muss.

Stelle ich den Antrag oder macht das ein Arzt? Benötige dafür bereits einen Kostenvoranschlag? Das Gutachten eines Psychotherapeuten ist wahrscheinlich auch unabdingbar. Vielleicht kann mir ja jemand so ungefähr schildern wie das abläuft, auch wenn es nicht ganz das gleiche Verfahren sein wird.

Danke schonmal, ich hoffe es ist ok das einfach hier reinschreibe,aber ich finde das Forum echt toll. Hier gibt es einige Tipps und Tricks die ich auch gut gebrauchen kann.

 

Ganz liebe Grüße Sus

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Hallo Sus,

doch, es ist weitgehend das gleiche Verfahren.

Zuerst mal: die Kassen dürfen nur Nadelepi übernehmen, streng genommen nur Thermolyse ("Elektrokoagulation"), s.u. Bei der Gesichtsbehaarung macht das auch durchaus Sinn, zumindest, solange die Laserleute ihr Qualitätsproblem nicht beseitigen. Dort ist die Laserepilation wegen der tief liegenden Haarwurzeln und der dicken Haare oftmals schwierig.

Den Antrag auf Kostenübernahme stellst Du.

Du benötigst ein dermatologisches und vermutlich auch ein psychologisches Attest, in denen Dir der übermäßige Haarwuchs und der daraus resultierende Leidensdruck bestätigt werden. Der Psycho sollte besser auch Mediziner sein.

Du musst auf geeignete Weise nachweisen, dass in Deiner Umgebung kein Dermatologe in der Lage ist, diese Behandlung durchzuführen.

Du benötigst eine Aufwandsschätzung und einen Kostenvoranschlag einer Elektrologistin. Dienstleister findest Du z.B. unter www.dvee.de und unter www.fachverband-elektrologie.de 

Weil die Kassen eine bestimmte und bewährte Variante der Elektroepilation, nämlich die Blend-Methode, gerne versuchen als nicht zugelassen abzubügeln, ist es besser, wenn im Angebot der Elektrologistin Details offengelassen werden und nur von der Elektroepilation die Rede ist. Von den Kosten her spielt das ohnehin kaum eine Rolle.

Das Durchsetzen des Leistungsanspruchs wird schwierig werden. An sich ist die Elektroepilation eine normale Kassenleistung, die unter Ziffer 742 GOÄ geregelt ist, aber im EBM nur über die Ziffer 02300 abgerechnet werden kann (kleine OP bis 5 min oder Elektroepilation durch Elektrokoagulation [das ist Thermolyse und schließt somit Blend aus!]). Bis letzten Herbst konnte ein Arzt nur 5 min pro Quartal abrechnen, neuerdings sind es m.W. 30 min. Soweit zu den Regeln zur Epilation auf Kassenkarte.

Grundsätzlich kann ein Dermatologe größeren Behandlungsaufwand via Einzelantrag von der Kasse genehmigen lassen, wenn mich nicht alles täuscht, sogar ohne sein Budget zu belasten. Allerdings reicht deraus EBM 02300 folgende Stundensatz von 67,20 EUR nicht aus, um diese Behandlung unter den Kostenbedingungen einer Arztpraxis gewinnbringend anzubieten. Deshalb machen (und können mangels Übung auch vom handwerklichen her)  die Ärzte das auch nicht.

Leider bestehen die Kassen ungeachtet des eigentlich offensichtlichen Systemversagens, das sogar in den MDS-Richtlinien zur TS-Behandlung erwähnt wird, zunehmend auf dem Arztprivileg und versuchen so, aus der ja relativ teuren Behandlung herauszukommen - allen voran die Techniker-Kasse, die in dieser Sache gerade das Bundessozialgericht beschäftigt.

Daher sind Bewilligungen bei dieser Kasse chancenlos, solange das BSG noch nicht entschieden hat oder wenn die Behandlung unter ärztlicher Aufsicht vorgenommen wird. Bei anderen Krankenkassen könnte es eventuell noch einen Sinn machen. 

 

Viele liebe Grüße

Beate 

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Ach so, ganz vergessen: natürlich wird der Antrag auch vom MDK geprüft werden....

Viele liebe Grüße

Beate 

Rosi_mg
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dabei seit: 20.03.2006

Hallo Sus,

dann schreibe ich einfach mal, wie es bei mir gelaufen ist. Ich gehe mal davon aus, dass es eine Gleichbehandlung von Transsexuellen und Bio-Frauen gibt, sollte es jedenfalls. Ob bei Dir ein Gutachten eines Psychotherapeuten erforderlich ist, kann ich leider nicht sagen. Ich bin ja sowieso wegen meiner Transsexualität in psychotherapeutischer Behandlung. Ich habe aber mal gehört, dass es einen gewissen Leidensdruck geben muss.

Meine Krankenkasse ist die Techniker Krankenkasse, und die geht zurzeit sehr strikt vor. Mag sein, dass es bei anderen Krankenkassen noch andere Möglichkeiten gibt, aber wie es aussieht, spielt die Techniker Krankenkasse hier den Vorreiter.

Ich habe zunächst bei einem Hautarzt ein Attest ausstellen lassen, das lautete ebenfalls auf Hirsutismus. Außerdem musste ich ein paar Kostenvoranschläge beibringen, und der Aufwand musste geschätzt werden. Meine Krankenkasse zahlt keine Laserbehandlungen, außerdem werden ausschließlich Nadelepilationen beim Hautarzt bezahlt. Gegen diese Regelung laufen derzeit wohl einige Klagen vor Gericht, aber mit einer endgültigen Entscheidung ist wohl vorläufig nicht zu rechnen.

Ich hatte das Glück, einen Hautarzt zu finden, der räumlich eng mit einem Institut zusammenarbeitet. Die Nadelepilation findet in diesem Institut statt. Bei Behandlung von sehr empfindlichen Bereichen wie der Oberlippe bekomme ich vom Hautarzt eine Betäubungsspritze, ansonsten kann auch eine Betäubungssalbe aufgetragen werden. Die Rechung wird vom Hautarzt ausgestellt. Von der Krankenkasse erhalte ich einen Zuschuss von 67,20 € pro Stunde.

Liebe Grüße

Rosi

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Nur kurz zur Ergänzung: vor kurzem habe ich noch einen Nachschlag für die Nadelepi bekommen, nicht mehr bei der TK. 

Erneut bei einer Elektrologistin, nicht bei einem Arzt, und zu einem Stundensatz von 100 EUR. Das zeigt, dass die Kassen nicht an die EBM-Argumentation gebunden sind, sondern bei Einzelbewilligungen frei entscheiden können.

Viele liebe Grüße

Beate 

denise
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dabei seit: 05.10.2007

interessant

seit beates beitrag, verstehe ich nun wesentlich besser, warum die tkk, mit deren service ich ansonsten ausgesprochen zufrieden war, meinen antrag auf nadelepi so verzoegert.

bei uns in der ruebensteppe gibt es naemlich in zumutbarer entfernung keinen dermathologen, der ueberhaupt eine nadelepi durchfuehrt. bei dem abrechnungssatz wie beschrieben absolut verstaendlich. seit wochen suchen sie nun einen arzt, der es doch macht, wohlwissend, dass sie keinen finden werden.

da sitzen sie etwas in der klemme, denn der mdk hat die epilation als notwendig eingestuft....

also werde ich meine "serviceeinheit" bei der tkk mit woechentlichen anrufen weiter nerven.

 

kim-denise

Sus
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dabei seit: 03.03.2010

Hey

vielen lieben Dank. Jetzt weiß ich schon mal einiges mehr! Jetzt muss ich nur noch die richtige Auswahl treffen und dann natürlich wohl einen langen Atem beweisen.

Ich lass Euch wissen wie es ausgeht!

Danke

Liebe Grüße Sus

Amaryllis
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dabei seit: 09.11.2016

Hallo hier auch ein Update zum Thema

Laser-Epilation : Seit 01.10.2017 kann die Krankenkasse 6 Sitzungen übernehmen, da die Laserbehandlung für MzF-TS in diese EBM-Liste aufgenommen wurde. Für Genaueres (auch zur Kostenünernahmehöhe) siehe http://www.kbv.de/html/1150_30396.php

Die Laser benötigen (immer noch) dunkle bis braune Barthaare um die Energie zur Zerstörung der Haarwurzeln in Hitze zu verwandeln (wegbrutzeln)

Es ziept "etwas", da es ja je Laserblitz kurz richtig heiß werden muss (die Oberlippe macht am meisten "Spaß"). Man ist danach etwas fleckig im Gesicht.

Je heller die Haut desto besser für sie da sich dann nicht soviel Laserlicht in der Haut in Hitze umwandeln kann. (ein Bart so schwarz wie Ebenholz und eine Haut so Weiß wie Schnee ...).

Die roten Flecken gehen nach kurzer Zeit wieder weg - man kann sie auch dezent überschminken und niemandem fällt etwas auf.

Lg.

Amaryllis