Genetische oder erziehungsbedingte Unterschiede?

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Liv-Marit Norton
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Ich fand im "Zeit Wissen- Archiv" folgenden m. E. interessanten Beitrag,
"Frauen sind auch nur Männer" von Eva- Maria Schnurr.

Er beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Unterschiede zwischen Frau und Mann bedingen (können).

Hier ein Auszug:

Zitat:
Vorurteil:
Frauen sind schlecht in Mathe

Im Januar 2005 behauptete Larry Summers, damals noch Präsident der Elite-Uni Harvard, es gebe so wenige Frauen in den Naturwissenschaften, weil sie dazu weniger begabt seien. Summers trat nach dem folgenden Skandal von seinem Amt zurück. Doch die Diskussion war damit nicht beendet. Auf den ersten Blick spricht einiges für Summers These: Denn in den Scholastical Aptitude Tests (SAT), mit denen die Leistung amerikanischer Universitätsbewerber geprüft wird, erreichen bei den mathematischen Aufgaben fast ausschließlich Männer die höchsten Punktzahlen.

Schaut man die verfügbaren Daten jedoch genauer an, sind diese längst nicht mehr so klar. Die Psychologin Janet S. Hyde sammelte 159 Studien über die mathematischen Fähigkeiten von Mädchen. In ihrer Analyse stellte sie fest: Vor der Pubertät gibt es kaum Unterschiede in den Mathematikleistungen zu den Jungen. Je älter die Probanden werden, umso größer wird jedoch der Vorsprung der Männer.

»Ich wäre sehr vorsichtig, diese Daten als angeborene mathematische Überlegenheit der Männer zu deuten«, sagt der Neuropsychologe Lutz Jäncke, der auch über Genies forscht – und inzwischen überzeugt ist, dass es keine geborenen Genies gibt. »Leistung setzt sich immer aus drei Faktoren zusammen: Begabung, Motivation und Möglichkeit. Wenn eine Frau mathematisch begabt ist, aber in der Pubertät erfährt, dass Physikerinnen aufgrund fehlender Rollenmodelle noch immer als nicht besonders attraktiv gelten, dann fehlt ihr möglicherweise die Motivation für Höchstleistungen. Sie trainiert nicht mehr.«

In entlegenen nordschwedischen Regionen sind Mädchen deutlich besser in Mathematik und Physik als ihre Mitschüler. Doch nicht Gene oder Hormone sind dafür verantwortlich, sondern soziale Gründe: Männer finden in der Region Arbeit als Fischer, Jäger oder Förster. Die Frauen dagegen wollen in die großen Städte Südschwedens ziehen – wo sie in High-Tech-Berufen mit anderen Bewerbern konkurrieren müssen. Das spornt sie an.

Unbewusste Vorurteile wie »Männer sind begabter« oder »Eine echte Frau kann nicht gut in Mathe sein« können die Motivation beträchtlich senken, zeigte der Sozialpsychologe Paul Davies von der University of California in Los Angeles. Weibliche Mathe-Cracks lösen schwierige Matheaufgaben schlechter, wenn man ihnen vorher sagt, ihre Leistungen würden mit denen von Männern verglichen. Ihre Leistung bricht auch ein, wenn sie vorher Werbespots sehen, in denen Frauen etwa eine Backmischung anpreisen – also in stereotypen Rollen auftauchen. Sogar die Berufswünsche der mathematisch begabten College-Studentinnen änderten sich nach solchen Filmen. Sie wollten dann eher Linguistik oder Journalismus studieren. Frauen in einer Vergleichsgruppe, die einen nichtstereotypen Werbespot gesehen hatten, tendierten dagegen ebenso häufig wie Männer zu Fächern, die viel Mathematik voraussetzen. Stereotype threat, Bedrohung durch Stereotype, nennt Davies diesen Effekt.

Der Neurobiologe Ben Barres von der Stanford University hat die hinderlichen Vorurteile selbst erlebt. Bis vor zehn Jahren hieß er Barbara und war eine Frau. Obwohl auf der Highschool die Beste in Mathe, riet ihr Lehrer davon ab, sich am ehrenwerten MIT zu bewerben, und schlug ein College in der Nähe vor. »Als Studentin am MIT löste ich dann als Einzige in einem Kurs eine schwierige Matheaufgabe – nur um mir vom Professor anhören zu müssen, die habe ja sicher mein Freund gelöst.« Und als er, nun Ben, einen Vortrag über Forschungen hielt, die er als Barbara gemacht hatte, hörte er Kollegen flüstern, die Arbeit von Ben Barres sei ja viel besser als die seiner Schwester. »Die wissenschaftlichen Daten liefern keinen überzeugenden Beweis dafür, dass Frauen weniger begabt für Mathematik oder Naturwissenschaften wären«, sagt Barres. »Im Gegenteil: Die Daten beweisen, dass Frauen in solchen Fächern diskriminiert werden.«

Für Interessierte der Link zum vollständigen Artikel:

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2007/01/ ... r?page=all

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Konstanze
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ich denke es ist eine Mischung aus beidem.

die Faz beschreibt Schwerpunkte von Frauen folgendermaßen:

FAZ

Zitat:
Frauen sind mit besonderen sprachlichen, emotionalen und sozialen Kompetenzen begabt. Von der Wissenschaft nicht hinreichend gewürdigte Fähigkeiten sind „im Gehirn von Frauen fest einprogrammiert“. Frauen werden mit solchen Talenten geboren. Männer jedoch nicht.

es gab bereits öfters Veröffentlichungen, dass Frauen bei z.B. Sprache Vorteile haben indem sie dazu mehr der grauen Zellen nutzen können als Männer.

Männer haben dagegen eher Vorteile in so Dingen wie räumliches Denken.

Evtl. hat sich das Evolutionär so entwickelt. Angeblich war es früher die Aufgabe der Männer zu jagen. Dazu braucht man räumliches Denken, um z.B. mit einen Speer im 4 Dimensionalen Raum das Wild zu treffen.

kannte man das gut, hatte man besser Überlebenschancen. Somit ist es wahrscheinlicher, das diese eher überlebt haben.

Frauen sollen damals eher Feuer und Kinder gehütet haben. Dies wird wohl in einer Gruppe gewesen sein. Da sind sprachliche Kompetenzen von Vorteil.

Natürlich ist unser Gehirn leistungsfähig genug, dass man sich bei genügend Motivation auch Kompetenzen in den eher schwächeren Gebieten erarbeiten kann.

Und es ist auch selbstverständlich, dass diese Motivation erstickt werden kann, wenn man von klein auf hört, das man dies nicht kann.

n/v
NB-Sabine
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dabei seit: 26.12.2006

Es gibt auch die wissenschaftlich fundierte Meinung, daß die Unterschiede letztlich "Kopfsache sind". Hier der Link zu einem Artikel von der Psychologin Claudia Quaiser-Pohl über Frauen und Männer bei fluter.de dem Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung:

Kopfsache - Die Psychologin Claudia Quaiser-Pohl über Frauen und Männer

n/v
Liv-Marit Norton
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dabei seit: 13.02.2006

Konstanze hat folgendes geschrieben:

Zitat:
Evtl. hat sich das Evolutionär so entwickelt. Angeblich war es früher die Aufgabe der Männer zu jagen. Dazu braucht man räumliches Denken, um z.B. mit einen Speer im 4 Dimensionalen Raum das Wild zu treffen.

NB-Sabine gab einen Link zu einem Artikel von Frau Quaiser-Pohl:

Zitat:
Ich wehre mich dagegen, die Ungleichheit durch die Evolution zu begründen.Wir können uns in diese Zeit gar nicht zurückversetzen, und es gibt kaum Dokumente: So kann man schön spekulieren, was da in der Steinzeit alles an Schwächen und Stärken gewesen ist und sich bis heute auswirkt.

So werden beide Richtungen halt unterstützt..... Wink

Ein Gutteil Evolution, wie auch Prägung und Ausfüllen der von der Gesellschaft erwarteten Rollen, werden die Ungleichheit begünstigen.

Aber die Beispiele in den Artikeln zeigen, dass die Grenzen mehr und mehr verwischen. Und die Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Wo sie hinführt...... Thinking:

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Rapunzel
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dabei seit: 16.04.2006

Also, ich habe gelesen und gehört:
Wenn Mädchen getrennt von Jungen unterichtet werden, gehen Mädchen mehr aus sich heraus, gerade was die wissentschaftlichen Fächer anbelangt. Im Verband mit Jungen, sollen diese mehr reden, jedoch die Mädchen weniger, dafür kompetenter.
Dass die Mädchen den Jungen im lernen vorraus sind, ist auch schon des öfteren festgestellt worden.
Ja, da stellt sich auch mir die Frage, woran liegt es, dass weniger Mädchen /Frauen diverse Berufe ergreifen.
Manches mal habe ich den Eindruck, weil sie ihnen gar nicht nahegelegt werden, eröffnet werden.
Hab ja selber zwei von der Sorte und die erste in der Berufsfindungsphase; sicherlich nicht unbegabt, auch im wissentschaftlichen Bereich. Jedoch sehe ich mich außerstande sie zu unterstützen, da ich selber keinen Kennt von diversen Berufen habe.
Und ehrlich gesagt: Was nutzt da ein Girls-Day? Welche Branchen bieten sich denn vorwiegend an? Auch beim Boys-Day.
Vorwiegend die klischeebehafteten Berufe im mittleren Bildungsstand, oder? Dies ist mein Eindruck!
Und mal weg von Jägern und Sammlern, ist ja schon etwas verjährt, hin zu "Heimchen am Herd" ist aktueller. "Du heiratest doch eh und hast Kinder zu erziehen" Auch veraltet, aber aktueller.
Ich glaube; ist ja auch so; manche Frau reicht manchen Mann das Wasser (haha, welch Zweideutigkeit)
T'schuldigung , ich finde keinen Schluss und mach deshalb mal Schluss.
Gruß Rapunzel

Levve un levve losse!

Liv-Marit Norton
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Entschuldige Dich doch nicht, Sabine...... Smile

Du bringst doch sehr familienbezogene Beispiele, die ja im zweiten Teil eher der These des erziehungsbedingten Unterschiedes entsprechen.

Zitat:
"Du heiratest doch eh und hast Kinder zu erziehen"

Von diesen Vorgaben muss die Gesellschaft abrücken.....

Die Fähigkeiten der Frauen sind doch mittlerweile unbestritten, da stimmt Dein Beispiel mit dem "Wasser reichen" doch absolut.

Liebe Grüße

Liv

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ElleCommandante
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Rapunzel schrieb:
... "Heimchen am Herd" ist aktueller. "Du heiratest doch eh und hast Kinder zu erziehen" Auch veraltet, aber aktueller.

Öhm... Irgendwer muß Eva Herrmann ja lesen... Autobahn!

Und zum zweiten Teil: Nicht jedes Familienmodell ist schlecht, nur weil es traditionell ist... Bei aller Sympathie für das, was man eventuell als Emanzipation bezeichnen könnte, ist die Famile im wertkonservativen Sinne eine durchaus wünschenswerte Institution, auch wenn sie bisweilen auszusterben scheint... Ein Blick nicht nur in unsere U-Bahnen aber lehrt, Erziehung täte Not...

Ansonsten mag die Statistik, Medizin oder eine andere Disziplin lehren, ein Geschlecht könne eine Verrichtung oder Was-auch-immer besser oder schlechter... Sicher bleibt dabei aber auch, daß ein Geschlecht schlechtere Blutwerte hat als das andere... Kann ja auch die Genetik oder so sein... Blöd ist nur, daß man das Durchschnittsdingens nie trifft, ich bin beispielsweise in Mathematik urschlecht... Trotz meiner Gene und so...

EsElle+++

P.S.: Wissenschaft lehrt, Frauen könnten manches besser... Ach würde doch das Einparken auch dazu gehören...

n/v
Triona
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dabei seit: 05.10.2007

ElleCommandante schrieb:
P.S.: Wissenschaft lehrt, Frauen könnten manches besser... Ach würde doch das Einparken auch dazu gehören...

Mackerkasse! :mrgreen:

Aw, Thou beloved, do hearken to the Banshee's lonely croon!

sinn féin - ça ira !

Hab nur kurz auf die Maus geklickt. Ich glaub ich hab das Internet gelöscht.

ElleCommandante
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Triona schrieb:
Mackerkasse! :mrgreen:

Nö... Habe schon in's Phrasenschwein geworfen...

S'E.+++

n/v
Liv-Marit Norton
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Elle hat folgendes geschrieben:

Zitat:
Ein Blick nicht nur in unsere U-Bahnen aber lehrt, Erziehung täte Not...

Nicht nur zum Wohle der Untergrundbahnen.... :!:

Erziehung wird in den Familien immer weniger geleistet, beginnt doch die Aufnahme in den Kindergarten mittlerweile schon bei unter 3- jährigen.

Aber da driften wir ein wenig vom Thema ab.

Zitat:
Nö... Habe schon in's Phrasenschwein geworfen...

Das gibt es doch nur beim DSF, gell ?! :mrgreen:

By the way, ich wünsche den Clubberern noch six points..........

Eine echte Vision entwickelt ihr Eigenleben !

Triona
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Liv schrieb:
Elle schrieb:

Nö... Habe schon in's Phrasenschwein geworfen...

Das gibt es doch nur beim DSF, gell ?! :mrgreen:

Hab mich schon gewundert, daß es das überhaupt noch gibt.

Aber der Tarif für Mackerphrasen ist auch da das Doppelte! :mrgreen:

Abgesehen davon, was is eigentl DSF?
Bei uns steht das für "Deutsch-Sowjetische Freundschaft", vgl. auch Staße / Platz der DSF ...

Liebe Grüße
Triona

Aw, Thou beloved, do hearken to the Banshee's lonely croon!

sinn féin - ça ira !

Hab nur kurz auf die Maus geklickt. Ich glaub ich hab das Internet gelöscht.