Personenstandsänderung ohne angleichende OP jetzt auch in Deutschland

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Konstanze
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Transmenschen wechseln ganz oder zeitweise in das ihrem Körper entgegengesetzte Geschlecht. Sie treten nicht androgyn auf, sondern versuchen ein bestimmtes Geschlecht zu leben, welches ihrem Empfinden entspricht. Dadurch anerkennen sie, dass es zwei und nur zwei Geschlechter gibt.

Für jemand der dem dualen Geschlechterdasein verhaftet ist, sollte es nur zu verständlich sein, wenn er seinen Körper soweit wie möglich (es ist eh sehr wenig möglich) angleichen lässt, ansonsten würde man ja zwischen den Geschlechtern stehen.

Gesetzlich gibt es auch nur zwei Geschlechter. Warum sollte jemand, der sich nicht für ein Geschlecht entscheidet, einen neuen Personenstand bekommen? Schlieslich ist das Genital DAS Merkmal für ein Geschlecht.

 


 

Ich habe mal versucht die Ansichten, warum manche eine PÄ ohne GAOP doof finden, mit einer logisch und  stringenten Argumentationskette aufzubauen. Leider kommt so etwas nicht, sondern es wird mit Oberflächlichkeiten und Ausfälligkeiten argumentiert. Es darf gerne als Argumentationshilfe übernommen werden Cowboy

und nun die Antithese Devil

 


 

Was unterscheidet dem Mensch vom Tier? Der Mensch ist zu abstrakten Denken fähig.

Im vorliegenden Thema bedeutet dies, dass es ein abstraktes Kopfgeschlecht gibt, dass sich vom körperlichen Geschlecht unterscheidet.

Wenn man mal anschaut, wie das TSG enstanden ist, stellt man fest, dass es ein BGH Urteil gab, dass feststellte, dass es Menschen gibt, deren Geschlechtsempfinden vom körperlichen Geschlecht abweicht. Es wurde also das Kopfgeschlecht als ausschlaggebend angesehen.

Wenn nun bei den betroffen Menschen das Kopfgeschlecht als prämise fürs Geschlecht zu nehmen ist, ist es eigentlich egal inwieweit der Körper angepasst wird. So gesehen ist es nur konsequent, dass der OP-zwang für die PÄ abgeschaft wurde.

n/v
Johanna
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dabei seit: 15.05.2007

Die Apartheid ist wieder zurück:

DeeJay schrieb:
Sollte ich je jemanden mit Pillermann in der Damenumkleide erwischen, schmeiss ich ihn raus. Und wenn derjenige 15 PÄs hat die rechtskräftig sind.

Im Südafrika zur Zeit der Apartheid in einem Schulbus. Die weißen Kinder, die vorne sitzen, streiten sich mit den schwarzen Kindern, die hinten sitzen. Irgendwann wird es dem Busfahrer zu bunt und er lässt alle Kinder aussteigen. "So, jetzt stellt euch mal vor, es gibt keine Schwarzen und kein Weißen mehr, sondern wir sind alle grün. Wir sind alle gleich, es gibt keinen Grund, sich zu streiten." Daraufhin bricht ein großes Hurra aus, alle Kinder freuen und umarmen sich. Erleichtert, das Problem gelöst zu haben, sagt der Busfahrer: "Jetzt alle schnell wieder einsteigen. Die Hellgrünen nach vorne, die Dunkelgrünen nach hinten!"

Im Südafrika der Apartheid war es normal, dass Schwarze auf Grund ihrer Hautfarbe, einer körperlichen Eigenschaft also für die sie nichts konnten, oft benachteiligt und von vielem ausgeschlossen wurden wie auch vom Besuch von Schwimmbädern, Ehen mit Weißen waren verboten. Das Schlimmste für sie daran waren nicht die Einschränkungen, sondern die damit verbundene Diskriminierung. Und nun will auch hier jemand Menschen auf Grund körperlicher Makel vom Besuch eines Schwimmbades aussschließen (ich gehe davon aus, dass nicht operierte Transsexuelle gemeint sind, denen der Besuch der Männerumkleide weder zumutbar noch möglich ist und die mit ihrer Besonderheit nicht provozieren) und ihnen die Ehe verbieten!

 

Johanna
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dabei seit: 15.05.2007

Tassi schrieb:
Warum schafft man nicht die bessere Lösung für solche einfach keinen Geschlechtseintrag - also weder männlich noch weiblich?

Ganz einfach: Weil's keine bessere Lösung ist. Die Menschen fühlen und leben nicht zwischengeschlechtlich, sondern eindeutig als Frau. Wer sieht denn schon, was sie in der Hose haben?

Tassi schrieb:
nicht unbedingt sehe ich hier einen Bezug mit faschistischem Denken.

Ich schon. Siehe meinen vorigen Beitrag. Menschen auf Grund körperlicher Eigenschaften zu diskriminieren ist eigentlich nur in faschistischen und rechtsradikalen Kreisen weit verbreitet.

Zitat:
Ist es nicht ein Hohn gegenüber denjenigen, welche die Operation haben durchführen lassen?

Warum? Ich sehe keinen Grund dafür, warum das Hohn sein könnte. Es handelt sich schließlich um Menschen, die versuchen, genauso unauffällig wie du als Frau zu leben.

Zitat:
- was passiert dann in einem solchen Fall mit Straftätern? Kommen sie in den Frauenknast?

Auch wenn dies im Einzelfall mal problematisch werden könnte, so ist es im Allgemeinen viel diskriminierender, diese Menschen in den Männerknast zu stecken.

Zitat:
- Wir sahen neulich einen Mann mit Schnauzer, schwarzem Mini, ohne Perücke und in Nylons beim IKEA an der Kasse - muss dieser nun auch als Frau angeredet werden?

Nein, denn bei seinem Lebensstil würde er niemals die Gutachten zur VÄ erhalten und könnte damit auch keine PÄ bekommen.

Zitat:
doch eine solche Erscheinung mit Penis würde ich maximal als Transsexuelle, jedoch nie als Frau ansehen

Als was du sie ansiehst, ist deine Sache, aber denk daran, dass viele von denen sich sehr wohl wünschen würden, eine Vagina statt des Penis zu haben, sie dies aber z. B. auf Grund medizinischer Risiken nicht realisieren können. (Aber auch wenn du sie als Transsexuelle ansiehst , behandle sie bitte als Frauen - alleine schon um der Höflichkeit willen.)

Nadine59
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dabei seit: 03.03.2010

Ich las,wie so häufig schon,Deine Stellungnahme mit viel Interresse,und hab auch wieder einiges gelernt!

Danke,liebe Johanna!

Mit dem Gefühl ist es echt so eine Sache.Ich fühle mich sehr als Frau,mein innerer wesenskern ist 100%weiblich,ich empfinde mein Anhängsel diesbezüglich aber als Störfaktor,wahrscheinlich wegen eben der vorrherrschenden Meinung,dass Frau so etwas nicht hat,und ich im Bett immer wieder in die Männerrolle gedrängt werde.Gefühlsmässig,körperlich,kriege ich das ja einigermassen mit String-Tangas hin-alles ist festgezurrt.Ich spür ihn fast nicht mehr.Aber das Gefühl,so meine ich, ist eine höchst ambivalente,oft von Sozialsationsfaktoren abhängige Erscheinung.

In die Frauenumkleide im Krankenhaus,und logischerweise im Schwimmbad traue ich mich auch nicht-unoperiert.Aber Schwimmbäder hasse ich auch als Mann.

Jedenfalls Danke für den interressanten Thread,wenn auch leider hier wieder faschistoide Auffassungen zutage treten.Schade eigentlich!

Schönen Dienstag,Euch allen!

Nadine-Ulrike

n/v
claudiaw
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dabei seit: 18.12.2004

Danke Johanna,

Du hast das sehr gut auf den Punkt gebracht!

 

 

tanjak
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dabei seit: 08.03.2005

Roxanne schrieb:
Mona2004 schrieb:
Personenstandsänderung ohne Operation und Hormone, das finde ich sowas von blöd, solche Personen können als TV gehen, damit können Sie das Geschlecht wechseln wie Sie wollen.
Mona2004 schrieb:
Ich für meine Person, habe mich entschlossen den Mann vollkommen in mir zu löschen, da gehört natürlich die Operation und die Hormone, ich konnte nicht mehr anders, der Selbstmord wäre die Folge gewesen. In näherer Zukunft beschließt der Gesetzgeber es gibt kein Geld mehr für die Operation,
Die Antwort liegt in deinen eigenen Sätzen: Die GaOP wurde ja nicht bezahlt, weil du "Bock auf Frausein" hattest, sondern weil du psychisch sonst vor die Hunde gegangen wärst. Wo das in Zukunft auch so liegt, wird sich bestimmt an den Zahlungsregelungen der KKs auch nichts ändern. Wo diese OP von den Patienten aber eben nicht verlangt wird, wird sie auch nicht mehr nötig sein. Alles wird gut Wink

 

Ich kann Mona da im Grunde nach nur zustimmen. Sicher gibt es medizinische Gründe die manchmal gegen eine OP sprechen.

Ich denke das die KK hier nun versuchen lücken zu finden um die GA nicht mehr bezahlen zu müssen, weil ja keine Notwendigkeit mehr besteht. Bisher mussten die KK die OP nur deswegen bezahlen, da der Psych Leidensdruck als Frau mit einem männlichen Genital zu leben zu groß ist und um auch Rechtlich als Frau anerkannt zu werden eine OP notwendig ist.
Das fällt ja nun weg. Um rechtlich eine Frau zu sein bedarf es nunmehr nur der VÄ und die Notwendigkeit der OP fällt weg. Das der/die betroffene dadurch einer Psych Belastung ausgesetzt ist interessiert dann nicht mehr. Es wird dann mit einer Schönheits OP gleich gesetzt. Beispiel: Eine Frau die z.B von Geburt an keinen Busen hatte und extrem unter diesem Umstand leidet, kann noch so viel Gutachten einrichen das sie das so sehr belastet, das die Lebensqualität nicht stimmt. Sie bekommt keinen Brustaufbau von der KK bezahlt. ( Es gibt ausnahmen, die aber nicht die Regel sind) Und so wird es bei der GA auch kommen können. Die OP ist nicht mehr notwendig und wenn du das machen willst trage die Kosten selbst, denn es ist eine Schönheits OP. Da interessiert die Psych Belastung nicht mehr.

 

DeeJay
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dabei seit: 21.11.2005

Ich finde dass der Vergleich mit der Hautfarbe von menschen und diesem Thema gewaltig hinkt.

Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Man wird nie erreichen können, zumindest nicht in den nächsten generationen absehbar, dass Nicht operierte TS sich seelenruhig in aller Öffentlichkeit umkleiden können, oder sich sonstwie in der Öffentlichkeit aufgrund Ihres noch vorhandenen primären Geschlechts, "outen" können.

Wobei ja farbige und generell Menschen aller Art und Hautfarbe, wenn auch nicht überall akzeptiert, jedoch toleriert werden.

Das werden Transsexuelle ohne OP hier soweit nicht erreichen, sorry. Wir sind nicht in Thailand und unsere Gesellschaft ist nicht bereit und gewillt soetwas zu akzeptieren, oder zu tolerieren. Da ändert auch eine PÄ nichts dran.

LG

Konstanze
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dabei seit: 29.04.2005

DeeJay schrieb:
Man wird nie erreichen können, zumindest nicht in den nächsten generationen absehbar, dass Nicht operierte TS sich seelenruhig in aller Öffentlichkeit umkleiden können

Oh, ist es denn ansonsten üblich, dass man sich seelenruhig in aller Öffentlichkeit umkleidet? Ich denke nicht.

 

DeeJay schrieb:
...unsere Gesellschaft ist nicht bereit und gewillt soetwas zu akzeptieren, oder zu tolerieren.

Oops dir ist ein Schreibfehler unterlaufen, du hättest statt "unsere Gesellschaft ist nicht" besser "ich bin nicht" schreiben müssen.

n/v
Jula
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dabei seit: 12.12.2004

Bei DeeJay und Mona fällt mir der berühmte Satz ein

"Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche!"

Und ich finde gerade von (ehemals?) Betroffenen geäußerte Intoleranz gegenüber Menschen, die ihr Dilemma zwischen innerer Weiblichkeit und äußerer Männlichkeit nicht durch eine OP lösen können, einfach nur übel und ignorant.

Da werden Behauptungen über die angeblich fehlende Toleranz der Gesellschaft aufgestellt, die letztlich (wie Konstanze schon treffend erklärt hat) nur ein erschreckendes Bild davon zeigen, wie sie selbst die Welt sehen, obwohl sie es aufgrund ihrer Erfahrungen besser wissen sollten und müssten.

Vielleicht ist es aber bloß ein deutliches Signal, dass sie bei weitem nicht in der selbstverständlichen Weiblichkeit angekommen sind, die sie für sich behaupten.

Und zu der immer wiederkehrenden Behauptung, das Urteil könne für Krankenkassen ein Anlass sein, künftig keine GaOPs mehr zu bezahlen: Unfug wird dadurch nicht besser, dass man ihn immer wieder erzählt.

 

NIVEAU ist keine Handcreme! Julas Homepagehttp://www.julaonline.de/

DeeJay
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dabei seit: 21.11.2005

Zitat von deiner Homepage Jula

Für die allermeisten Menschen und auch die Behörden existiere ich nicht. Ich habe keine Geburtsurkunde, keinen Personalausweis, keinen Beruf und kein Bankkonto.

Weiteres Zitat von Jula

Vielleicht ist es aber bloß ein deutliches Signal, dass sie bei weitem nicht in der selbstverständlichen Weiblichkeit angekommen sind, die sie für sich behaupten.

Sorry, aber ich denke nicht, dass ich mir solche Sachen unterstellen lassen muss.

Ich trage meine Damenchuhe nicht ausschliesslich nur in meinen 4 Wänden ein, und ich muss auch nicht warten bis es dunkel ist, damit ich mich auf irgendnen Waldweg traue.. (nur mal rein übertrieben).

Vielleicht sollten einige sich mal klar werden, was sie im leben erreichen wollen, oder können.

Somit kann ich dir und den anderen Zweiflern, welche sich "nur als Teilzeitfrau" dem Leben entgegenstemmen, nahelegen, mehr Entscheidungsfreudigkeit zu zeigen, und sich nicht über Dinge zu echauffieren, die sie bei weitem nicht nachvollziehen können, geschweige denn verstehen! (Konsens: Den Weg als TS, egal ob MzF, oder FzM, bewältigst du mal nicht ebenso.. Draussen ist die Realität!)

Das ganze aus der Sicht eines (nich/weniger) betroffenen so zu kommentieren und Thesen aufzustellen, ist ein Absurdum sondergleichen und keinstenfalls ernst zu nehmen!

Konstanze schrieb:

Oops dir ist ein Schreibfehler unterlaufen, du hättest statt "unsere Gesellschaft ist nicht" besser "ich bin nicht" schreiben müssen.

Wow... Da haste wohl n bissl im Satzkästchen gekramt, was? Sorry, das geht besser und produktiver. Is ja schliesslich n Diskussionsforum hier.

LG