Transsexualität im Beruf: Und dann kam Andrea

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Lena4866
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Transsexualität im Beruf: Und dann kam Andrea

Vor sechs Jahren machte Andrea Krieger an ihrer Arbeitsstelle ihre Transsexualität bekannt. Als Transfrau konnte sie sich nie mit ihren männlichen Geschlechtsmerkmalen identifizieren. Sie erhielt überraschend positive Reaktionen.

Am Tag, an dem die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale Düsseldorf erfahren, dass einer der Kollegen von nun an als Frau angesprochen werden möchte, bekommt Andrea Krieger neue Visitenkarten. Dazu ein neues Türschild - und eine neue E-Mail-Adresse. Es ist ein Tag im Februar 2009, an dem sich für die heute 36 Jahre alte Krieger alles ändert: Ab jetzt geht sie auf die Damentoilette und kommt in Frauen- statt in Männerkleidung zur Arbeit.

Im März 2015 sitzt Krieger in Jeans und grünem Pullover im Wohnzimmer ihres Hauses in der Nähe von Düsseldorf. Die Aufregung von einst, an dem alles verändernden Tag im Büro, ist verschwunden. Krieger lebt ihre weibliche Geschlechtsidentität nun seit sechs Jahren offen in allen Bereichen des Lebens. Sie wurde mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren - doch das Gefühl, sich eher mit dem weiblichen Geschlecht identifizieren zu können, war immer da: im Gymnasium, in der Fachhochschule, im Job als Systemadministratorin bei der Verbraucherzentrale.

Was hat eine Frau durchgemacht, die sich und ihr Geschlecht in all diesen Institutionen erklären musste? "Ich möchte als die Frau leben, die ich bin und auch so behandelt werden." Krieger hat diesen Satz oft aus sich herausplatzen gehört. Vor ihrem Chef, den Eltern, vor Freunden. Und sie musste oft ruhig bleiben, die Reaktion des Gegenübers abwarten.

Heute ist sie auch ruhig, oder vielleicht: beruhigt. Ihre Erfahrungen haben sie stark gemacht. Viele Situationen, vor denen sie sich fürchtete, verließ sie entspannt. Fragt man allerdings Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), ist Andrea Kriegers Geschichte eine positive Ausnahme. Die meisten transsexuellen Menschen in Deutschland seien massiver Diskriminierung ausgesetzt, sagt Lüders. Dazu gehöre auch "Ablehnung und Belästigung bis hin zu Gewalt und Benachteiligungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt".

Mit Freunden kauft Andrea Krieger ihr erstes Kleid

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/transgender-im-beruf-und-dann-kam-andrea-a-1027522.html

LolaLeipzig
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dabei seit: 03.04.2015

Leider ist dies eine positive Ausnahme. Manchmal habe ich das Gefühl, das man wie im Mittelater als Geächteter behandelt wird. Natürlich ist dies von Region zu Region verschieden, aber im großen und ganzen wird einem doch das Gefühl von der Gesellschaft gegeben, das man nicht gewollt ist. 

juliahh123
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dabei seit: 29.09.2007

ich bin dann auch mal eine Ausnahme. Wobei ?? von denjenigen die ich persönlich kenne sind dann irgendwie alle Ausnahmen

und das sind ein paar. Also doch wieder die Regel  ))))) nee bestimmt nicht

Lg Julia die keinerlei Probleme hatte

LolaLeipzig
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Hallo Julia, 

schön das zu hören bzw zu lesen. 

Grüße in meine alte Heimat. 

 

kleine_Mona
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dabei seit: 07.02.2015

Wenn ich sowas lese wird mir schlecht ...

Ich lebe nun seit 1.April 2015 als Frau, nehme seit Februar 2016 Hormone
Ich lebe in Deutschland derzeit in einer kleinen Kreisstadt, sowie in Polen auch am Rande einer kleinen Stadt.
Und bin auch in vielen anderen Größeren wie auch in kleineren Städten in Deutschland, Österreich und Polen gewesen.
Habe ständig neue Auftraggeber wodurch ich in der Öffentlichkeit unterwegs bin und noch nie eine negative Erfahrung gemacht habe.
Und habe auch die Erfahrung gemacht,das es meine ständig neuen Auftraggeber nicht im geringsten stört, wenn ich ihnen am Telefon erzählt habe das ich transsexuell bin und als Frau lebe.Mittlerweile erzähle ich es am Telefon nicht mehr und auch dann gab es keine Probleme.
Für die ist es wichtig wie lange ich es schon mache und die Erfahrung.
Ich fahre spezielle Schwertransporte für Auftraggeber die nicht sehr leicht zufrieden zu stellen sind.

Also im Beruf kommt es drauf an,das man etwas kann und in der Öffentlichkeit sich ganz normal gibt und sich nicht als was besonderes hält.Denn das merken die anderen sofort und das lassen sie einen dann auch merken.

Und ich gehe mit Sicherheit nicht als neutrales Lichtlein raus.
Ich habe lange und sehr auffällig bunte Fingernägel.

Es liegt immer an einem selber wie man behandelt wird,es sind nicht immer nur die anderen dran schuld.

Lena4866
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dabei seit: 01.07.2005

kleine_Mona schrieb:
Wenn ich sowas lese wird mir schlecht ... Ich lebe nun seit 1.April 2015 als Frau, nehme seit Februar 2016 Hormone Ich lebe in Deutschland derzeit in einer kleinen Kreisstadt, sowie in Polen auch am Rande einer kleinen Stadt. Und bin auch in vielen anderen Größeren wie auch in kleineren Städten in Deutschland, Österreich und Polen gewesen. Habe ständig neue Auftraggeber wodurch ich in der Öffentlichkeit unterwegs bin und noch nie eine negative Erfahrung gemacht habe. Und habe auch die Erfahrung gemacht,das es meine ständig neuen Auftraggeber nicht im geringsten stört, wenn ich ihnen am Telefon erzählt habe das ich transsexuell bin und als Frau lebe.Mittlerweile erzähle ich es am Telefon nicht mehr und auch dann gab es keine Probleme. Für die ist es wichtig wie lange ich es schon mache und die Erfahrung. Ich fahre spezielle Schwertransporte für Auftraggeber die nicht sehr leicht zufrieden zu stellen sind. Also im Beruf kommt es drauf an,das man etwas kann und in der Öffentlichkeit sich ganz normal gibt und sich nicht als was besonderes hält.Denn das merken die anderen sofort und das lassen sie einen dann auch merken. Und ich gehe mit Sicherheit nicht als neutrales Lichtlein raus. Ich habe lange und sehr auffällig bunte Fingernägel. Es liegt immer an einem selber wie man behandelt wird,es sind nicht immer nur die anderen dran schuld.

Es ist erbärmlich den Betroffenen einzureden sie seien auch noch selbst Schuld .Irgendwann wirst du auch erleben das man sich hintenrum beschwert oder über dich ablästert,direkt ins Gesicht sagt dir das heute eigentlich kaum jemand.Und das wird  dich  wie ein Schlag ins Gesicht treffen weil es dann  und von Leuten kommt  von denen du es nicht erwartest.Ich bin wirklich mal gespannt ob du die Aussage  in 3 jahren genauso tätigen wirst.

Und jetzt zum Thema.Die Aktzeptanz im Beruf  hängt sehr stark von der Branche ab in der du arbeitest Und deswegen magst du in deiner Branche noch ganz gut klarkommen, aber da skann man nicht mit so einfach auf jede andere Branche übertragenGenerell gilt  je direkter der Kundenkontakt je schwieriger ist es für Transsexuelle,eine der wenigen Ausnahmem ist da das Friseurhandwerk das offener ist.Und  generell gilt je einflussreicher der Personal oder Betriebsrat in dem Unternehmen(Öffentliche Unternehmen,Behörden, Grosskonzerne) ist je besser sind die Chancen für Transsexuelle..Chefs ist es zwar oft völlig egal was du privat machst,wenn es aber um deren Geschäft geht sind Sie nicht mehr  so tolerant.denn Sie haben aber oft Ängste wie die Kunden reagieren und das Umsätze verloren gehen, Bei einer Fajhrertätigkeit ihat das  meistens kaum Einfluss auf die Umsätze und gute Fahrer sind glaub Ich immer noch gesucht .(Ich habe selbst im Fernverkehr gefahren):Bei einer Tätigkeit im Verkauf oder im Kundendienst sieht das schon ganz anders aus. Kritisch wird es auch wenn Chefs befürchten das Unruhe ins Team gebracht wird , oft  wird es erst noch versucht , wenn aber  von den Chefs bemerkt wird das das Team leidet weil Kollegen sich an der Transsexuellen stören wird schnell der Fremdkörper im Team entsorgt und nicht diejenigen die den Stress machen.Und viele Chefs scheuen auch lange Ausfallzeiten.. Und besonders schwer wird es wenn eine Transsexuelle arbeitslos ist und womöglich noch ein zusätzliche Vermittlungshemnis hat (Alter , Gesundheitsprobleme etc).Und der lokale Arbeitsmarkt spielt auch eine Rolle , werden Arbeitsräfte in der Region oder dem Job gesucht sind die Chancen für Transsexuelle gut ,wenn genug Arbeitskräfte in der Region ode rdem Beruf  vorhanden sind werden Transsexuelle auch mal gerne aussortiert.Ich habe  auch erst wieder einen Job (Informatik) gefunden nachdem Ich ein Passing hinbekommen habe das mir ermöglicht meine männliche Vergangenheit zu verheimlichen.. Wenn es  so einfach wäre wären 2013 in NRW nicht 25% der Transsexuellen ohne Arbeit gewesen.

Studie zur Lebenssituation von Transsexuellen in Nordrhein-Westfalen schrieb:

 

Im Bereich Schule, Ausbildung und Arbeitswelt lässt sich feststellen, dass – wenn Schulleitung, Vorgesetzte, Geschäftsführung usw. wirklich hinter den Betroffenen stehen – die Transition in den meisten Fällen positiv verläuft. Bei mangelnder oder nur vordergründiger Unterstützung („Lippenbekenntnissen“) durch die Verantwortlichen kumulieren die Probleme, die aus Ablehnung, Unwissen oder tradierten Vorstellungen von Geschlecht entstehen. Die fehlende Kompetenz von Arbeitgeber_innen und Vorgesetzten bzw. Lehrer_innen, wie auch von Betroffenen, die entstehenden Konflikte zu lösen, führt oft zur Eskalation, was wieder Ausgrenzung, Mobbing und den Verlust von Arbeitseffektivität zur Folge hat. Die ungelösten Probleme am Arbeitsplatz können auch zum Arbeitsplatzverlust und zu lang andauernder Arbeitslosigkeit führen. Folge davon sind oft finanzielle Probleme, Verarmung und ein sozialer Abstieg.  

I/quote]

Quelle:

https://www.lsvd.de/fileadmin/pics/Dokumente/TSG/Studie_NRW.pdf

 Zahlen aus der Studie hier:

Transsexuellen droht häufiger Arbeitslosigkeit schrieb:

Ein weiteres auffälliges Ergebnis der Studie zeichnete sich im Bereich des Berufslebens ab. Trotz überdurchschnittlich guter Bildungsabschlüsse gaben 26 Prozent der Transmänner und 19 Prozent der Transfrauen an, zum Zeitpunkt der Befragung ALG II erhalten zu haben. Im Vergleich zum Landesdurchschnitt, der zum damaligen Zeitpunkt bei knapp über 11 Prozent lag, waren die Ergebnisse unter Transsexuellen ungewöhnlich hoch.

 

Sind die alle selbst Schuld?

Quelle:

http://www.queer.de/detail.php?article_id=21548

.

 

 

 

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

25 % Hartz IV sind allerdings keineswegs gleichzusetzen mit dem Anteil derer, die Probleme haben, beruflich Fuß zu fassen.Man muss schon die ALG-1 Bezieher dazuzählen und sinnvollerweise auch alle diejenigen, die sich in eine kleine Selbständigkeit geflüchtet haben, froh sind, wenigstens wieder 1/3 ihres ehemaligen Einkommens erwirtschaften zu können und arbeiten müssen, solange sie können, um den Eintritt der Altersarmut so lange wie möglich herauszuzögern.

Also: in den letzten 10, 15 Jahren ist die Situation für Menschen mit transsexueller Vergangeneheit schon sehr deutlich besser geworden. Aber die Benachteiligung ist trotzdem noch so verbreitet, dass es nicht untertrieben ist, von zumindest teilweise massiver Diskriminierung zu sprechen.

Übrigens ist auch unsere Gesundheitsversorgung daran nicht ganz unschuldig: Vorstellungen wie "Alltagstest ohne somatische Maßnahmen" (bei einem Transmann mit Körbchen DD...), dem viel zu späten Beginn der Bartepilation, diese ganze Psyche-Mühle, die es ja tatsächlich schwer macht, im Job die notwendige Konzentration zu erbringen, sind sicherlich nicht ganz unbeteiligt an eventuellen beruflichen Schwierigkeiten.

Viele liebe Grüße

Beate 

sb-sabrina-sb
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Genau so sehe ich auch Smile

 

Ich habe auch keine Schwierigkeiten. Bei mir kam bis her kein Mensch in fremdem Städten auf die Idee das ich eine Angeglichende bin. Alles eine Sache des Selbstbewußtseins und öffentlichen Auftretens.

lg

Give Peace a Chance " John Lennon "