Wahrnehmung - positive und negative Erfahrungen

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claudiaw
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dabei seit: 18.12.2004

mistral505 schrieb:

Das gemeinsame Auftreten von Homos, Lesben, TS und Bi's auf CSD's ist auch eine halbherzige Angelegenheit. Mir sagte kürzlich einer, daß TS auf dem CSD nurmehr geduldet seien, offiziell sei es ja eine reine homo-Veranstaltung. Ich finde das ziemlich lächerlich, wenn - so wie ich es nun schon öfters mitbekommen habe - jeder entsprechend seiner Neigung oder Orientierung seine eigene Suppe kochen will oder muß und sich entsprechend anderen Gruppen gegenüber abgrenzt.

Die Leute, die so'n Unsinn mit der "Duldung" behaupten, verraten/ verfälschen ihre eigene Geschichte, auf die sie sich beziehen - 1969 in NY waren Transgender von Anfang an dabei ... in anderen Teilen der Welt heisst die Veranstaltung deshalb u. a. auch LGBT-Parade und selbst wenn sie Gay Pride Parade heisst, sind TG einbezogen; habe diese Abgrenzungs-Tendenz in Köln in der "zur Zicke" allerdings auch schon einmal selbst erlebt (um zum Thread zurückzukehren) - nun gut, wir sind dann in einem Laden am Heumarkt sehr gut und problemlos bedient worden ... die "zur Zicke" gibt's schon länger nicht mehr, den Laden am Heumarkt mit seinem italienischen Betreiber immer noch, nun kann sich jeder seinen Teil denken

Lina
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dabei seit: 02.03.2008

Nicht nur waren Transgender dabei - die waren der Auslöser des Ganzen. 

 

Brigitte
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dabei seit: 22.07.2008

Ayna schrieb:

Cool! Jezz hab ich einen ausgedruckten Kaufvertrag für meinen Schuhschrank! "Frau Debakel"!

Ist doch lustig?

Ayna

 

Offtopic, aber auch lustig als Junge in England:

"Whats your christian name?"

"My christian name is Christian!"

 

Brigitte

Petra-Susanne
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dabei seit: 21.10.2005

Damit dieser Thread nicht vollends in die Diskussion *über* positive und negative Erfahrungen oder LGBT-Relations abgleitet, hier noch mal ein inhaltlicher Beitrag. Innocent

Ich musste heute auch einfach noch mal raus, nachdem dieses ganze Feiertagsgedönse gefühlsmäßig eine Diaspora war. :cry:

Die vorgenommene Tour war ein volles Programm. Zunächst zu Adler, um mal nach einem etwas längeren Winterrock zu schauen (leider nix gefunden) und zu sehen, ob es meinen Lieblings-BH (ein Bexley Sport-BH mit etwas breiterem Bund [3 Haken]) statt in 90B auch in 95A gibt. Dazu dann auch noch eine Verkäuferin befragt, die mir wirklich gerne geholfen hätte - konnte sie aber nicht, weil leider nicht verfügbar.

Danach ging's zu Siemes, weil mir meine Lieblingstreter, oben etwas geschlossenere Pumps mit etwas dickerem Absatz, leider allmählich aus dem Leim gehen. Die sind zwar sehr bequem, aber leider aus Plastik statt aus Leder und schon mal an den Gehfalten eingerissen. Nach längerem Rumsuchen und einer Nachfrage nach einem Schuhanzieher dann tatsächlich ein nettes Paar gefunden, was nicht nur für meinen Geschmack gut aussieht, sondern wo man trotz mittelhohem Absatz auch mal mehr als 500 m drauf laufen kann.

Nächste Station: Baumarkt, weil ich noch Material für eine Bauaktion morgen brauchte. Abdeckleisten für eine Wandverkleidung samt Kleinst-Spax-Schrauben zur Anbringung der Verkleidungspaneele an einer Gipskartonwand und sehr feine Nägelchen waren angesagt. Wegen der begrenzten Auswahl an Leisten und der Notwendigkeit, dass die Schräubchen in spezielle Krampen reinpassten, bin ich dann mehrmals im Geschäft hin und hergetigert und habe diverse Leute fragen dürfen, bis ich meinen Kram dann endlich zusammenhatte.

Schließlich noch einen Einkaufskorb voll diversem Futter für's Wochenende in einem Supermarkt besorgen. Auch hier wieder recht ausgiebiges Rumtigern durch die Gänge incl. Bestellungen an der Wursttheke, bis alle Wünsche des Einkaufszettels erfüllt waren.

Alle Kontakte dieses Tages waren sehr nett und zuvorkommend. Ganz zum Schluss die Kassiererin im Supermarkt musterte mich etwas auffälliger, weil sie mich wohl erst im Laufe des Kassierens "gelesen" hatte, aber ohne jeglichen negativen Touch und mit dem obligatorischen gelächelten Wunsch für ein schönes Wochenende.

Noch was zum "Outfit": Was die häufig paraphrasierten 99% rocklosen Frauen angeht, würde ich das nicht so ganz bestätigen. Die Hosenträgerinnen sind zwar (gerade bei diesem Wetter) klar in der Mehrzahl, aber ein mittlerer einstelliger Prozentsatz an Rockerinnen dürften schon unterwegs sein. Entsprechend fiel ich jedenfalls mit einem knapp unterknielangen, eher schmalen Jeansrock, leicht gemusterter schwarzer Strumpfhose und dunkler Jacke weder auf noch aus dem Rahmen.

Insgesamt war es eine zwar anstrengende, aber angenehme Rundtour.

Lieben Gruß,

Petra

Mädels, traut euch raus, insbesondere in die anonyme Öffentlichkeit! Ich bin jedenfalls in den letzten 10 Jahren noch von niemandem gebissen worden!

Suschi
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dabei seit: 07.11.2012

Petra-Susanne schrieb:

Damit dieser Thread nicht vollends in die Diskussion *über* positive und negative Erfahrungen oder LGBT-Relations abgleitet, hier noch mal ein inhaltlicher Beitrag. Innocent

Danke Petra! You made my day... Kiss

Ich war kein Mann, ich sah nur so aus.

mohini
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dabei seit: 11.03.2012

dann möchte ich auch noch meinen beitrag zu diesem thread leisten.

zur trans* vs. schwul debatte:

ich war mit einem guten freund (schwul) von mir auf einer homoparty, wo er von einem anderen schwulen angebaggert wurde. mein freund meinte daraufhin, dass er sich über die komplimente freue, allerdings einen freund habe. der schwule meinte, er sei enttäuscht vom ihm. als mein freund ihn fragte, weshalb er enttäuscht sei, antwortete der schwule, dass er es nicht verstehen könne, dass so ein gutaussehender mann wie er mit so einer ekelhaften transe wie mir zusammen sein könnte. ich bekam es von meinem freund nachher erzählt, weil ich zu dem zeitpunkt auf toilette war. als ich den schwulen dann im raucherzimmer sah, konnte ich es mir nicht verkneifen, klarzustellen, dass mein freund und ich kein paar seien, woraufhin er mir, sichtbar peinlich berührt, scheinheilig ins gesicht lächelte und meinte, das sei dann wohl ein missverständnis gewesen. ich beließ es dabei, habe aber seitdem meinen plan von ihm in der tasche (sehe den typen ab und zu noch auf homopartys, wo er mich stets offensichtlich ignoriert).

zum thema:

ich war vor ein paar wochen auf einer geburtstagsparty einer freundin, auf der ich viele alte freunde und bekannte wiedergetroffen habe. habe zwar erst eine laserbehandlung hinter mir, allerdings ist der bartschatten schon um einiges weniger geworden. ich war dazu gut geschminkt und trug ein feminines outfit (allerdings kein kleid/rock). die leute, die mich kannten, machten mir komplimente für mein outfit, die leute, die mich nicht kannten, hielten mich (vielleicht auch aufgrund der lichtverhältnisse) für eine frau. diejenigen, die von meiner ts wissen, sagten mir, dass ich als frau gut aussähe und ob sie sich mein oberteil mal borgen könnten Smile diejenigen, die von meiner ts noch nichts wissen, lobten meinen mut, als mann ein solches outfit anzuziehen ("du machst, was du willst und scheißt auf die meinungen der anderen. das finde ich bewundernswert. ich hätte nicht den mut dazu.").

alles in allem ein schöner abend, an dem ich mal wieder für mich, wie schon so oft festgestellt habe, dass die leute zuerst aufgrund der äußeren erscheinung verunsichert sind, aber diese scheu nach kurzer zeit ablegen, wenn sie ein gespräch mit mir führen.

was mir an diesem abend auch noch mal bewusst geworden ist: mir persönlich ist es mittlerweile egal, ob mein gegenüber mich als frau sieht oder nicht. hauptsache, ich werde als mensch akzeptiert und kann so leben, wie ich es möchte ohne mich verstellen zu müssen.

 

noch was ganz anderes:

ich habe die letzten wochen etwas mit mir selbst und meinem leben gehadert (dass meine transition im moment stockt, ich mich arbeitsbedingt noch nicht überall outen kann, so wie gerne möchte und dass mein körper mir momentan noch zu viril ist). ich fühlte mich sehr dünnhäutig, konnte die blicke anderer menschen nicht ertragen und habe unmengen von alkohol getrunken.

hatte die tage das buch von david berger "der heilige schein" (sehr empfehlenswertes buch!) gelesen, in der er die homophobie und scheinheiligkeit der katholischen kirche offenlegt. die katholische lehrmeinung zu ts ist mir bekannt und interessehalber suchte ich im internet die meinung der evangelischen kirche zu diesem thema. ich fand einen sehr interessanten artikel zu dem thema, in der unter anderem folgender bibelvers zitiert wurde:

»Wie kann einer es wagen, seinem Schöpfer Vorwürfe zu machen? Ist der Mensch Gott gegenüber mehr als ein Tongefäß, das aus der Hand eines Töpfers kommt? Fragt vielleicht der Tonklumpen den, der ihn formt: ›Was machst Du da?‹ Sagt das Werk zu seinem Meister: ›Du hast ungeschickte Hände?‹« (Jes. 45,9).

es wurde argumentiert, ts sei kein fehler gottes, sondern gott habe seine pläne mit uns, und das sei der grund, warum wir so geschaffen wurden, wie wir sind. eigentlich ist das auch stets mein selbstverständnis gewesen, nur musste ich vielleicht noch mal etwas aufbauendes in dieser form lesen, nachdem ich mich im internet fast kaputt gelesen hatte an horrorszenarien, die ts zustoßen. vielleicht gehe ich das ganze thema auch zu verkopft an. vielleicht sollte ich einfach machen und das weitere ergibt sich von selbst?

wie dem auch sei, mir gehts wieder gut Smile

lg mohini

 

Lina
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dabei seit: 02.03.2008

Mohini,

ich bin enttäuscht, dass dein schwuler Freund den anderen nicht deutlich zurechtgewiesen hat. Das war doch grenzlos unverschämt von ihm.

Ich war selber mal in der Situation, dass ein Schwuler mich fürchtbahr angebaggert hat, aber gleichzeitig mich wegen meines Aussehens fast beleidigt hat - ich sei langweilig und sähe aus wie eine Vorstadthausfrau und sollte das ganze doch ausziehen und mich wie ein Mann zeigen. Ich muss gestehen es war nahe an dem Punkt, wo er mich nich nochmals hätte anfassen sollen, dann hätte er den Fußboden von nächster Nähe studieren dürfen. Dann kam aber ein junger Friseur aus dem Viertel (HH-St. Georg). Der sah so nett aus, dass man nicht glauben würde, er könnte jemandem mit Gewalt drohen würde. Der hat den Typ verbal so zur Sau gemacht und physisch eingeschüchtert, dass er nie wieder näher als etwa 4 meter kam. Nicht an dem Abend und an keinem anderen Abend auch nicht.

So einen Freund solltest du in deiner Nähe haben. Sollten wir alle, glaube ich.

 

jasminchen
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dabei seit: 17.06.2007

Ich gehe davon aus, das mich keiner jemals für eine Frau hält oder jemals gehalten hat. Körperlich bin ich sehr breiter großer Mann mit tiefer Männerstimme.

Jestem prawda, nie mam tajemnicy.

Extra Gottingam non est vita, et, si est, non est ita. Cogito ergo sum

Hrad přepevný jest Pan Bůh náš ….

 

http://en.wikipedia.org/wiki/Prime_Directive

 

Claudia-Maria
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dabei seit: 21.02.2006

Petra-Susanne schrieb:

Noch was zum "Outfit": Was die häufig paraphrasierten 99% rocklosen Frauen angeht, würde ich das nicht so ganz bestätigen. Die Hosenträgerinnen sind zwar (gerade bei diesem Wetter) klar in der Mehrzahl, aber ein mittlerer einstelliger Prozentsatz an Rockerinnen dürften schon unterwegs sein. Entsprechend fiel ich jedenfalls mit einem knapp unterknielangen, eher schmalen Jeansrock, leicht gemusterter schwarzer Strumpfhose und dunkler Jacke weder auf noch aus dem Rahmen.

Das kann ich nur bestätigen. Ich bewege mich meist im "altersgemäßen" Outfit und trage häufig einen Rock und eine Bluse, beim Schminken wähle ich eher dezentere Töne. In der Öffentlichkeit bin ich - das führe ich u.a. auf das gewählte Erscheinungsbild zurück - bislang nie auf Schwierigkeiten gestoßen. Es kommt darauf an, wie Petra-Susanne anmerkt, nicht "aus dem Rahmen" zu fallen.

Claudia-Maria

Lina
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dabei seit: 02.03.2008

jasminchen schrieb:

Ich gehe davon aus, das mich keiner jemals für eine Frau hält oder jemals gehalten hat. Körperlich bin ich sehr breiter großer Mann mit tiefer Männerstimme.

 

 

Die Textkonserve liest man immer wieder von dir. Willst du dich nie darüber hinaus entwickeln? Du sprichst immer nur von den beiden Stereotypen, männlich, weiblich. Als gäbe es keine andere Chrakterzüge deiner Persönlichkeit zu beschreiben. Muss es doch geben. Solange niemand die kennenlernt, wird sich natürlich auch niemand für dich interessieren - außer aus Mitleid, welches nicht wirklich konstruktiv ist.