Widerspruch in sich ??????

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Gast
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Hallo,

meiner Meinung nach muß für einen Wandel der Gesellschaft in Bezug auf Trans* vor allem eine Änderung des Denkens in Bezug auf die Geschlechterdualität erfolgen.

Die meisten Menschen sind sich doch wahrscheinlich überhaupt nicht im klaren darüber, daß jeder Mensch Anteile von beiden Geschlechtern in sich hat, und daß eben die Gewichtung dieser Anteile von Mensch zu Mensch verschieden ist...

Aber die meisten Menschen definieren ihr eigenes Geschlecht und das von anderen eben rein über den jeweiligen Körper bzw. sogar rein über das Vorhandensein oder auch Nichtvorhandensein von Penis oder Scheide...

Für die ist ein Mann (nur!) ein Mann, weil er halt einen Penis hat; und eine Frau (nur!) eine Frau, weil sie halt eine Scheide hat... Der ganze Rest wird dann "automatisch" davon bestimmt...

Deswegen ist ja auch für eine Personenstandsänderung eine gaOP erforderlich (zumindest bei Transfrauen...), weil man eben bei der heutigen gesellschaftlichen Denkweise erst ohne Penis wirklich als Frau gilt...

Mann stelle sich mal eine Gesellschaft vor, in der es niemanden mehr interessieren würde, wie man unten herum aussieht oder wie man überhaupt aussieht; wo man so männlich oder weiblich aussehen und sich verhalten könnte, wie man selbst wollte...

Das Buch Transsexualität - Transidentität von Udo Rauchfleisch ist da ja ganz interessant dazu...

Aber wie auch immer, ein großes, wenn nicht sogar das Problem, ist aber meiner Meinung nach auch, daß sich eben viele Menschen durch Transen, Schwule usw. regelrecht bedroht fühlen. Das liegt meiner Meinung nach daran, daß sich viele Menschen eben hauptsächlich an anderen orientieren, und dazugehören wollen, um eben "normal" zu sein. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, daß viele denken, weil andere Trans* sind oder eine andere sexuelle Orientierung als sie selbst haben, müßten sie selbst vielleicht irgendwann so sein, um "normal" zu sein, was sie natürlich nicht sein wollen. Und deswegen reagieren diese Leute dann eben mit Ablehnung, ja oft mit Gewalt, einfach aus Angst, daß morgen vielleicht sonst alle schwul oder sonst wie anders (als sie selbst) sind, und sie es selbst dann auch sein müßten (um weiterhin "dazu zu gehören", "normal" zu sein)...

Das ist natürlich völliger Schwachsinn, daß so etwas tatsächlich passieren würde, aber erklärt das mal z.b. ein paar Halbstarken, die wegen zwei auffälligeren Haarklammern bei einer männlichen Person scheinbar den Verstand verlieren, und diese "notfalls" auch auf offener Straße "kalt" machen würden... (Habe ich leider real so vor einiger Zeit erlebt.)

Grüße

Lena-Svenja

Heike_007
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Annabelle_Legault schrieb:
HiHo,

.....hmmm,

ich habe mir eben diesen interessanten Thread (wirklich !)
durchgelesen.

Warum, warum - immer dieses Schubladendenken ?

Was ist - wenn ich keine Schublade passe und irgendwie auch gewissen Leidensdruck - (oder ist es gar doch Leistungsdruck) verspüre ?

Ich bin jedenfalls ICH - und nochmal, ich und viele andere auch sind definitiv [glow=red]nicht[/glow] zweigespaltene Persönlichkeiten. Wir sind so - einfach - und leben auf beiden Seiten.

Ciaoii

La Annabelle

Lena-Svenja schrieb:
Hallo,

meiner Meinung nach muß für einen Wandel der Gesellschaft in Bezug auf Trans* vor allem eine Änderung des Denkens in Bezug auf die Geschlechterdualität erfolgen.

Die meisten Menschen sind sich doch wahrscheinlich überhaupt nicht im klaren darüber, daß jeder Mensch Anteile von beiden Geschlechtern in sich hat, und daß eben die Gewichtung dieser Anteile von Mensch zu Mensch verschieden ist...

Aber die meisten Menschen definieren ihr eigenes Geschlecht und das von anderen eben rein über den jeweiligen Körper bzw. sogar rein über das Vorhandensein oder auch Nichtvorhandensein von Penis oder Scheide...

Für die ist ein Mann (nur!) ein Mann, weil er halt einen Penis hat; und eine Frau (nur!) eine Frau, weil sie halt eine Scheide hat... Der ganze Rest wird dann "automatisch" davon bestimmt...

Deswegen ist ja auch für eine Personenstandsänderung eine gaOP erforderlich (zumindest bei Transfrauen...), weil man eben bei der heutigen gesellschaftlichen Denkweise erst ohne Penis wirklich als Frau gilt...

Mann stelle sich mal eine Gesellschaft vor, in der es niemanden mehr interessieren würde, wie man unten herum aussieht oder wie man überhaupt aussieht; wo man so männlich oder weiblich aussehen und sich verhalten könnte, wie man selbst wollte...

Das Buch Transsexualität - Transidentität von Udo Rauchfleisch ist da ja ganz interessant dazu...

Aber wie auch immer, ein großes, wenn nicht sogar das Problem, ist aber meiner Meinung nach auch, daß sich eben viele Menschen durch Transen, Schwule usw. regelrecht bedroht fühlen. Das liegt meiner Meinung nach daran, daß sich viele Menschen eben hauptsächlich an anderen orientieren, und dazugehören wollen, um eben "normal" zu sein. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, daß viele denken, weil andere Trans* sind oder eine andere sexuelle Orientierung als sie selbst haben, müßten sie selbst vielleicht irgendwann so sein, um "normal" zu sein, was sie natürlich nicht sein wollen. Und deswegen reagieren diese Leute dann eben mit Ablehnung, ja oft mit Gewalt, einfach aus Angst, daß morgen vielleicht sonst alle schwul oder sonst wie anders (als sie selbst) sind, und sie es selbst dann auch sein müßten (um weiterhin "dazu zu gehören", "normal" zu sein)...

Das ist natürlich völliger Schwachsinn, daß so etwas tatsächlich passieren würde, aber erklärt das mal z.b. ein paar Halbstarken, die wegen zwei auffälligeren Haarklammern bei einer männlichen Person scheinbar den Verstand verlieren, und diese "notfalls" auch auf offener Straße "kalt" machen würden... (Habe ich leider real so vor einiger Zeit erlebt.)Zunächst möchte ich Annabelle zustimmen: Auch ich lehne jegliches Schubladendenken grundsätzlich ab. Auch wenn es mittlerweile reichlich abgedroschen klingt: Jeder Mensch ist ein unverwechselbares Individuum, ob nun T* oder Nicht-T*!
Meiner Meinung nach hat jede(r) von uns seine eigenen Probleme mit sich herumzutragen. Es bringt überhaupt nichts, wenn wir uns gegenseitig vorrechnen, wer denn den größeren Leidensdruck zu ertragen hat.
Ich für mich versuche jedenfalls, nach der Devise "Jedem Tierchen sein Plaisirchen" zu verfahren. Ob mir das immer gelingt, können nur andere beurteilen!
Aus Sicht der Schubladen-Anhänger gehöre ich zur Gruppe der TV's. Nach knapp 40 Jahren Leben mit dieser Veranlagung kann ich ehrlich sagen: An irreversible körperliche Veränderungen (OP's) habe ich zu keiner Zeit gedacht. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, 24/7 als Frau zu leben.
Deshalb empfinde ich ganz ehrliche Hochachtung vor allen TS, die die volle Angleichung ("ohne Rückfahrkarte") voll bis zum Ende durchziehen. Vor allem auch, weil die "bürokratischen" Probleme (Krankenkasse, Amtsgericht, Standesamt), die an uns völlig vorbeigehen, ziemlich schlauchend sein können.
Mein Problem ist ein anderes, dieses wurde bisher nur ganz am Rande erwähnt: Bei meinen figürlichen Voraussetzungen (1,96 m groß, Konfektionsgröße 54) ist ein passables Passing nur sehr schwer bis gar nicht zu erreichen. Insofern kann ich glücklich sein, dass ích keinen Drang nach völliger Angleichung (OP) verspüre.
Da ich die Vorbehalte vieler Menschen nur zu gut kenne, habe ich großen Bammel vor Outdoor-Auftritten. Einen besseren "Eye-Catcher" als eine gegen jeden Wind als "verkleideter" Mann erkennbare 2-m-T*-Wuchtbrumme ist wohl kaum vorstellbar. Daran können auch noch so damenhafte Kleidung und ein perfektes Make-Up kaum etwas ändern. Ganz davon abgesehen, dass das Angebot an Klamotten und Schuhen (47) mehr als dürftig ist und ich froh sein muss, überhaupt etwas zu finden.
Ja, ich gebe es ehrlich zu: Ich wäre manchmal gern 20 cm kleiner und schlanker, obwohl mir klar ist, dass ich mit meiner Figur leben muss. Mir kommt daher auch nicht in den Sinn, hier von Leidensdruck zu sprechen. Ich habe akzeptiert, dass es Heike außerhalb den eigenen vier Wänden nur zu gelegentlichen reinen T*-Veranstaltungen zu sehen gibt. Das heißt natürlich nicht, dass mich nicht gelegentliche "Frust-Schübe" erfassen (siehe andere Beiträge von mir)!
Glücklicherweise bin ich bisher so durchs Leben gekommen, ohne die Dienste irgendwelche "Psychoklempner" in Anspruch nehmen zu müssen und ich wünsche mir sehr, dass dies auch weiter so bleibt!

Viele Grüße

Heike

Bei mir mag ein Jeder nach seiner Fasson selig werden (Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1620-1688).

Gast
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@Lena-Svenja

Hallo,

Du beschreibst die Problematiken der Gesellschaft mit Transen und Schwulen etc..., dass Ängste aufkeimen würden und sich die Geseelschaft durch diese Randgruppen bedroht fühlen würden.

Obwohl dies in diesem Thread nun in eine andere Richtung abgleitet, sehe ich diese Ansicht von Dir nicht bestätigt.

Schwule, Lesben, Transidente, TV und andere, werden zumeist mit dem Bereich "Rotlicht" zusammen gesehen. Dieses Abschieben in die Schmuddelecke zeigt uns doch nur wie uns die Gesellschaft real einstuft.

Ich sehe in der Gesellschaft die Angehörigen der Sumpflinge, die den anderen ihren Lebensstil aufzwingen wollen.

Jedwede andere Struktur oder Lebensart stößt auf Ablehnung, weil nicht "Gesellschaftsfähig", wobei auch diese Betitelung letzlich die Menschen beschreibt, die sich nicht in die Gesellschaft integrieren wollen oder es nicht können oder aufgrund ihrer Ansichten, ihres Erscheinungsbildes etc. nicht zur Integration von der Gesellschaft zugelassen werden.

Randgruppen, gleich welcher Färbung, stehen immer als Randgruppe ausserhalb der Gesellschaft und wollen z.T auch nicht integriert werden.

Transidenten stehen gewissermassen dazwischen. Einerseits will man das Nest der Gruppenzugehörigkeit nicht verlassen, weil man ja hier anerkannt wird, geachtet wird etc. andererseits ist es aber zur Lebenserhaltung wichtig in die Gesellschaft einzutreten, nur, diese Sumpflinge lehnen uns ab, weil...hier fängt der Kreis von vorne wieder an.

Der Umgang der Gesellschaft mit uns wird sich auch in den nächsten Jahren nicht verändern. Solange in den Elternhäusern und, fortführenderweise natürlich, in den Kindergärten und Schulen die transidenten Menschen aus dem Lebensumfeld der Kinder weitestgehend ausgeschlossen werden, kann keine Akzeptanzlinie aufgebaut werden.

Solange die Gesellschaft selbst Ausländern die Integration erschwert, solange werden Mitglieder der Randgruppe Trans* nicht den Platz finden, der Ihnen gebührt.

Es gibt eben zuwenige davon, als dass man sich täglich zehn mal mit ihnen auseinandersetzen müsste.

Wenn ein Mensch eine grüne Hautfarbe hätte und es in Deutschland davon 2.356 Individuen geben würde, wäre ihre Exotik garantiert und falls sie dann auch noch teilweise im Bereich des Amusements tätig wären, wären sie gleichfalls verschrien und würden u.U. sogar bejagt werden Smile

Wie unsereins aus dieser Falle herauskommt?

Seid fruchtbar und mehret euch, dass deren viele auf unserem Globus einhergehen.....

oder

...dann sollten wir uns zu Sumpflingen unserer eigenen Gesellschaft machen...( Illuminaten...??? )

Gast
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Hallo Heike,

nur eine Nebenbemerkung:

Heike schrieb:
Ganz davon abgesehen, dass das Angebot an Klamotten und Schuhen (47) mehr als dürftig ist und ich froh sein muss, überhaupt etwas zu finden.
kennst Du denn schon Schuh-Kauffmann? in diversen Großstädten zu finden, hat auch Versand und Internet und Männerschuhe bis 55 und Damenschuhe bis 48.

Kalos elthate, Hekate,

ja, schön, daß da noch andere Ahnung von Psycho* haben. Bei meinem Vornamensänderungsgutachten bei Professor Pfäfflin mußte ich übrigens einen solchen Männlichkeits-Weiblichkeitstest machen, der genau auf diesen beiden unabhängigen Dimensionen 0 bis 100% männlich und 0 bis 100% weiblich konstruiert ist.

Hekate schrieb:
Das gilt aber nicht nur für das "Aussehen", sondern sinngemäß genauso für jeden anderen Aspekt der "Männlichkeit" oder "Weiblichkeit" - wie etwa "Verhalten", "Körper", "Sexualität" usf.
was aber wiederum trotzdem nicht verhindert, daß wir zunächst einmal rein biologisch so gepolt sind, sämtliche dieser Aspekte blitzschnell in ein "entweder männlich oder weiblich" -Schema auszuwerten... (worüber man sich dann natürlich reflektierend hinwegsetzen kann, aber wer hat das denn nötig Wink ). Dazu fällt mir ja noch der Spruch ein:

You cannot stop people from thinking. the trick is to get them started...

Liebe Grüße, Maria

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Hallo Maria,

maria45 schrieb:
... Bei meinem Vornamensänderungsgutachten bei Professor Pfäfflin mußte ich übrigens einen solchen Männlichkeits-Weiblichkeitstest machen, ...

Darf ich mal ganz neugierig fragen, um was für einen Test es da geht (was mir bevorsteht...)?

Im Zuge meiner Differeantialdiagnose wurde übrigens auch so eine Art Test durchgeführt (Zusatzauswertung beim FPI).

Veronica schrieb:
Seid fruchtbar und mehret euch, dass deren viele auf unserem Globus einhergehen.....

Ach, jetzt verstehe ich den Sinn von §8 Abs. 3 TSG ...

Viele liebe Grüße

Beate 

Gast
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Hi Beate,

wieso, gehst Du auch zu Pfäfflin? Grundsätzlich scheint es wohl noch mehr Tests zu geben, die eingesetzt werden, nur wollte er die nicht an mir machen, weil ich die nicht "naiv" machen würde, weil ich ja vom Fach bin..., nur den einen wollte oder konnte er mir nicht vorenthalten, wohl weil er noch nicht veröffentlicht ist und deshalb mir unbekannt sein mußte. Oder es mußte eben mindestens ein Test für so ein "professorales" Gutachten herhalten, was auch immer.

Die Testkonstruktion fand ich ja von der Theorie her einleuchtend, die Ausführung doch etwas zweifelhaft. Es war so eine Art EWL (Eigenschaftswortliste), bei der man pro Item beurteilen mußte, was man so von sich hält. Im zweiten Teil dann noch eine Liste mit den Änderungswünschen an sich selbst... (da hatte ich recht wenig, außer natürlich das mit der Intelligenz, ich bin eben so minderbemittelt Wink )

Heraus kam (na, den Teil hatten wir doch alle schon mit Spannung erwartet..., oder etwa nicht ':(' ?), daß ich wohl in der Weiblichkeitsdimension weiblicher als die xx-frauen bin, daß ich aber durchaus auch einige männliche Persönlichkeitszüge habe. Naja. Vom pragmatischen Standpunkt aus war es mir ziemlich wurscht, was rauskommt, solange die VÄ befürwortet wurde. An meiner Weiblichkeit oder TS ändert so ein Test ja nix. Aus fachlicher und wissenschaftlicher Sicht hatte ich zumindest ein mäßiges Interesse (so spannend fand ich die Persönlichkeitspsychologie noch nie).

Auch so ein Test ist wieder nur so gut wie die Komplexität, die hinter ihm steckt. Und da hängt eine zweidimensionale psychische Geschlechtsausprägung zwar die eindimensionale ab, bleibt aber wahrscheinlich doch weit unter dem Komplexitätsgrad der Wirklichkeit, fragt also wieder eher Stereotypien ab. Ein schlechtes Beispiel diesbezüglich ist der COGIATI-Test.

Zudem kommt das Problem der Normierung hinzu. Gibt es altersspezifische Normen? Girls mit 16 machen andere Dinge und sehen die Welt anders als gestandene Großmütter (oder auch schon wieder nicht). Ist der Test an TS und anderen Gruppen, die als Differentialdiagnose zur TS herhalten müssen, angewandt worden? Was würden z.B. TVs oder TGs, schizoide Persönlichkeiten oder Borderlinepatientinnen antworten?

Als ich noch mehr mit Persönlichkeitsdiagnostik zu tun hatte, gab es da einen bestimmten Test, der immer "positiv" ausfiel, also bei dem alle Patienten einen an der Klatsche hatten. Warum? Weil er bestimmte Stereotype abfragte, auf die alle Menschen, die sich derzeit ernsthafter chronischer Krankheit bewußt waren, mit Ja antworten mußten. Da hat übrigens Frau Professor Flor (hier in Mannheim im ZI) sich verdient gemacht, daß dieser Unsinn entlarvt wurde.

Oh je, ich laber schon wieder einen ab. War Deine Frage beantwortet? :oops:

Liebe Grüße, Maria

andrea-b
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Hi Beate,

Zitat:
Darf ich mal ganz neugierig fragen, um was für einen Test es da geht (was mir bevorsteht...)?

das is wie ne Prüfung - Du musst vorher unbedingt Dir überlegen was wären typische Antworten für Frauen und am Besten Du überlegst Dir auch gleich die typisch männlichen Antworten dazu - die darfst Du allerdings auf keinen Fall ankreuzen oder nennen - sonst wird das nix ! Laughing out loud

Mal im Ernst, ich denke nicht dass Prof. Pfäfflin diesen "Test" als Grundlage für seine Entscheidung hernimmt. Es geht um viele andere Dinge die dann im Gutachten stehen.

@ Veronica:
ich denke jeder Transident hat den Umgang mit der Gesellschaft (und die Gesellschaft dann mit ihm/ihr) selbst in der Hand. Meistens ist es so dass wenn man vorher fest im Leben steht - nach einem Wechsel (outing, transition oder wie auch immer) auch die Möglichkeit hat den Platz wieder einzunehmen. Nur liest man über die geglückten Wechsel weniger da das "normale" Leben wichtiger wird als der Verbleib in der Trans-Gruppe.

Ich habe mir meinen Ausstieg hier schon des öfteren überlegt - denn eigentlich benötige ich keine "Trans" Gemeinschaft mehr für meine Entwicklung. Nur es gab Zeiten der Orientierung als es eben wichtig für mich war hier zu sein.
Der Grund dass ich hier bin ist dass ich verschiede Mitglieder näher kennen- und schätzen gelernt habe.

LG Andrea

n/v
Gast
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Hoi zäme. Mein lieblingsconstrukt bezieht sich auf die 3 facetten des Sexualität: - 1, der biologischen Geschlecht - 2, die sexuelle Orientierung - 3, die gender Identität.
Sind 3 verschiedene facetten, allerdings keine true/false Attributen, sondern jeder eine Gradwanderung von null auf maximum, und die Mischung aller drei macht das Gesamtbild aus. Die kombinationen sind natürlich unendlich, und das macht halt der vielfalt aus.

Wichtig dabei ist das eine genderidentität als Mann, nicht unbedingt eine sexuelle Orientierung zu frauen als Folge hat, und eben umgekehrt.... Wink

"You are all individuals"

Ciao,
Katey

HEKATE
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dabei seit: 25.09.2005

Auf die Gefahr hin, als alte Schulmeisterin zu erscheinen, muß ich hier mal noch etwas richtigstellen: bei diesem Thema und verwandten höre ich öfter, "Anima" und "Animus" seien die weibliche und männliche Komponenten einer menschlichen Psyche o. ä.

Das war aber nicht das, was der Urheber dieser Fachworte, der Tiefenpsychologe C.G. Jung, damit meinte - sondern sein Konzept war weitaus komplexer und aufschlußreicher:

Ausgangspunkt war für ihn die "PERSONA"
(von "per sonare"="hindurchtönen", nämlich der Maske des antiken Schauspielers, durch die seine Stimme erklang)
- also die "Maske" oder "Front", die jeder von uns den anderen zeigt.

Manche Menschen glauben ihr Leben lang, daß dies natürlich auch ihr echtes Wesen, ihre "Persönlichkeit" sei. Aber die meisten von uns spüren, daß sie in Wirklichkeit auch Wesenszüge und Eigenschaften haben, die zu diesem Bild gar nicht recht passen wollen - und verbannen sie in einen dunklen Gegenbereich, den "SCHATTEN":

Oft sind es Züge ihres eigenen "SCHATTEN"s, die sie öffentlich und bei anderen am meisten ablehnen oder sogar bekämpfen (eine beliebte Lustspielfigur war die sittenstrenge alte Jungfer, die überall "Sünde" wittert) - aber der Vorwurf der "Heuchelei" wäre oft ungerecht: denn den meisten sind die Gründe solcher Reaktionen - und die Inhalte ihres eigenen "Schattenbereichs" - gar nicht bewußt.

Das gilt natürlich auch - und erst recht - von allem im eigenen Wesen, das z.B. ein Mann als "nicht-männlich" (="weibisch") empfinden würde; nur erhebt sich da nun ein arges Dilemma: ohne gewisse "Resonanz-Kreise" für Weibliches würde er jeder Frau im Grunde so fremd und verständnislos gegenüberstehen wie einem "Alien" - er könnte sie allenfalls (wie Feministinnen gern sagen) "als bloßes Lustobjekt gebrauchen", aber nie zu einer echten seelischen Partnerschaft mit ihr gelangen.

Also könnte er ohne diese Teile seines Wesens nicht leben - aber mit ihnen auch nicht!

Dieser "unlösbare Widerspruch" treibt nun zwangsläufig seltsame Blüten: in den nicht bewußt kontrollierten "Schattenbereich" abgedrängt und dort nochmal speziell "abgekapselt", formieren sich diese Elemente zu einem "autonomen Komplex", einer Art eigenständiger "Seelen-Frau" oder "Frauen-Seele": der "ANIMA" !

In ihr sammelt sich alles, was - auch nur entfernt - als "weiblich" erscheint: von (positiven oder negativen) "Frauen- und Mutter-Bildern" über Lust-Auslöse-Reize bis zu mythologischen Figuren und Funktionen (die sogar aus uralten - "archetypischen" - Inhalten eines "kollektiven Unbewußten" stammen könnten) - und entwickelt, als unbewußte Gegenspielerin der bewußten "männlichen PERSONA", oft geradezu poltergeisthafte Aktivitäten: wenn z.B. "starke Männer" in Wirtschaft, Sport oder Politik ab und zu mal reagieren wie beleidigte Primadonnen oder keifende Fischweiber - dann sind unbewältigte "ANIMA"s im Spiel ...

Ganz analog hat auch jede Frau ihre - gleichsam "offizielle" - weibliche "PERSONA", deren negativierten "SCHATTEN" - und darin oder dahinter ihren "ANIMUS": mit all den "männlichen" Zügen, die sie oft bei Männern sucht und bei sich selbst meist nicht wahrhaben will.

Ein typischer "Partnerkrach" entsteht z.B., wenn sich ein rechthaberischer "ANIMUS" der Frau über irgendwas mit einer überempfindlichen "ANIMA" des Manns in die Haare gerät...

Offenbar kann aber diese Konzeption auch neues Licht auf verschiedene in diesem thread aufgezeigte "Transgender"-Probleme werfen - doch das schreib ich besser in ein Extra-Posting

Die ach so gern dozierende HEKATE

n/v
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@ HEKATE

Danke, liebe " He-Kate " für diese umfassende Erläuterung zur innersten Seele.
Auch wenn es das geistige Abendbrot war, es ist erfrischend zu lesen und herrlich bildhaft erklärt....

Ich hoffte, durch Nennung der Anima und des Animus in meinem Vorposting, Dich zur Erklärung dieser Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Transgender bewegen zu können - wir diskutierten dies bereits einmal- und Du hast es zumindest nun im ersten Teil trefflich dargelegt.