Widerspruch in sich ??????

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Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Changeling schrieb:

Für was steht IS?

Für Intersexualität - früher Hermaphrodismus genannt.

Liebe Maria: auch von mir nachträglich alles Gute zum Geburtstag.

Viele liebe Grüße

Beate 

Gast
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Hallo Ihr,

zunächst herzlichen Dank für die Geburtstagswünsche.

Liebe Hekate,

Hekate schrieb:
(und vom einem "Verdrängungs"-Mechanismus bewußt schwer erträglicher Vorstellungen - aber daß es den gibt, scheint doch wohl allgemein akzeptiert?)
ja, doch, der scheint wohl akzeptiert zu sein, ist aber bei weitem nicht der einzige. Das Problem bei diesen tiefenpsychologischen Deutungen ist ja auch nicht, daß es keine netten Beschreibungen sind, das sind sie immer, auch wenn sie bisweilen einen extrem skurrilen Charakter annehmen, wer möchte, dem könnte ich gerne ein paar Beispiele nennen.

Das Problem ist, daß sie zirkulär sind, eben nicht falsifizierbar. Irgendwie wird ex post fact alles hingedeutet. Ach, ich kann es nicht lassen: eines der Beispiele muß ich jetzt doch nennen, weil es so gut zum Thema paßt:

Nach Freud ist für jeden Mann die schlimmste Vorstellung diejenige, seinen Schniedel zu verlieren (Kastrationsangst), bis hin zu ausgemalten Vorstellungen von zähnebesetzten Vaginas, die diesen dann eventuell abkauen etc., wie gesagt, skurril unterhaltsam kann das wohl sein.

Diese theoretische Annahme der allgemeinen Kastrationsangst scheint aber dann doch durch die reale Existenz von TS widerlegt zu werden, oder? Nein, das wird dann dahingehend gedeutet, daß eben einfach eine soooo extreme Angst vor der Kastration besteht, daß sie lieber selbst initiiert wird, damit man handelnd ist anstatt passiv die Kastration erleidend ist. Daß 99% der TS sich nach OP erheblich besser fühlen und sich nie wieder den Schniedel zurückwünschen, daß auch keine Symptomverschiebung der vorher postulierten extremen Kastrationsangst vorkommt und es den Menschen danach einfach gut geht, interessiert die Analytiker schon wieder nicht mehr.

Insofern sind eben selbst solche elementaren Aussagen des Freudschen Beschreibungsmodells leider nicht falsifizierbar, sondern werden durch Umkehrung, Übersteigerung, Introjektion, Projektion, Übertragung, Gegenübertragung, Symptomverschiebung, Inkorporation, Sublimation etc. immer wieder für den einzelnen Fall doch noch passend hingebogen. Was wiederum nicht heißt, daß solche Beschreibungen nicht auch mal zutreffend sein können, nur hat es eben nichts mit Wissenschaft zu tun.

Etwas ähnliches wie Dein postuliertes Gedankenexperiment hat ja auch schon einmal stattgefunden - mit tragischem Ausgang. Als belesene Frau brauche ich Dir wohl nicht mehr als Bruce Reimer und John Money zu nennen, damit Du weißt, was ich meine. Für andere z.B. hier in einem Artikel der faz zum Nachlesen.

Denn letztlich ging es ja genau um die Frage: Ist die Geschlechtsidentität "Software", also das Gehirn eine Art tabula rasa, und leicht mit kulturellen Normen und Fakten wie eine leerer Speicher beliebig beschreibbar, oder "Hardware", ist da doch etwas kodiert, das trotz aller äußeren Hinweise und Umstände darauf verweist, daß es anders ist?

Deshalb ist TS kein rein intrapsychisches Geschehen, sondern setzt auf eine neurobiologische Grundlage auf und interagiert mit ihr, und deshalb sind die psychischen Prozesse bei TS - wenn man ihnen gerecht werden will - nicht einfach mit einem Modell beschreibbar, das auf einem gesunden Gehirn aufsetzt. Ähnlich inadäquat wären z.B. psychoanalytische Deutungen, die - wenn ein Schlaganfallpatient mit linksseitiger Hemiparese seinen Arm nicht bewegen kann, dieses Unvermögen als "Widerstand" gegen das gesunde Prinzip "In-Aktion-Treten" beschreiben würden.

LG, Maria

Gast
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@ Maria,

da ich erst heute wieder im Ländle bin, sollen auch von mir herzliche Geburtstagsgrüße an Dich ihr Ziel finden .... wenn auch sehr verspätet...

nach Deinen Ausführungen ist das komplexe Gebilde einer transsexuellen Persönlichkeit durch das einfache Modell einer Anima/Animus Beziehung nicht falsifizierbar, diese Komplexizität von transsexuellen Personen ist durch kein befriedigendes Ursache/Ergebnis Modell beschreibbar.
Nach Deinen Aussagen sind die Ursachen zur Ausbildung einer transsexuellen Persönlickeiten nicht in einer sog. Normverteilung wiederzufinden und die sich ergebende Varianz ist in ihrem Streubereich so angelegt, dass es schwer möglich ist aus der Substanz bekannter Publikationen eine allgemein gültige Basis für die angestrebte Klassierung transsexuellen Ursprungs herzuleiten.

Transsexualität findet in etwa einen vergleichbaren Vorgang in der Suche einer unehelich geborenen Person nach ihrer Triade.
Die von Dir beschriebene Triangulation Reimer/Money ist gleichfalls vergleichbar mit dem Versuch:" Welche Sprache spricht der Mensch von sich aus?", der ebenso tödlich endete.

Es ist demnach verständlich und zu verstehen, das sowohl Transsexualismus als auch die sich ergebenden Folgen/Reaktionen/Verhaltensweisen von Transsexuellen nicht schematisierbar sind und in ihrem Spektrum keiner Gesetzmäßigkeit zugeordnet werden können.
Jeder Fall von Transsexualität zeigt demnach eine Individuation.

Die Frage von "Lena-Svenja " nach den, auf die Umwelt sich projizierenden, Persönlichkeitsmerkmalen, sind letztlich ein Hauptproblem transsexueller Menschen.
Das von HEKATE aus der jungschen Anschauung hergeleitete Grob Design einer Anima/Animus kann für die äußere Projektion einer Trans* Person hilfreich sein, ersetzt aber, wie von Maria erklärt, in keiner Weise die wahren Ursachen.
Insofern kann ich hier meine Erfahrung an Lena Svenja nur sehr laienhaft weitergeben, jede Aussage ist nur einer Person zuweisbar und nicht direkt übertragbar.
Ich empfinde aufgrund meiner Situation einen gewissen Männlichkeitsgrad in meinen Handlungen und versuche eben diesen zu unterdrücken.
Von mir ausgehende Projektionen auf das Umfeld werden im Wesentlichen als "männlich" unterlegt angesehen und –obwohl ich mich sehr bemühe – ist der weibliche Eigenanteil nicht stärker ausgeprägt als er vorher vorhanden war.
Eine Verschiebung der Anima zugunsten des Animus ist in meinem Erfahrungsbereich nicht erkennbar.

Die von Transsexuellen, vom Umfeld gefühlte, ausgehende Verunsicherung der diskursiven Normalität bedrohen konventionelle Bedeutungszuschreibungen, insofern ist die analytische Aufarbeitung des "Strumpfhosenverbotes" in gewisser Weise auch stellvertretend für viele Entwicklungsgeschichten transsexueller Menschen, die in bloßen Phantasien beginnen und in Psychosen enden können.

Maria sei also Dank ausgesprochen für ihre Wissensweitergabe.

Chiana
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dabei seit: 25.01.2006

Meine Gedanken zu den Themen....

Hallo Leute,

ich hab mich ein bisschen durch das Thema gewühlt und einiges gelesen was hier geschrieben wurde. Vielen Thesen kann ich zustimmen, manches ist mir zu einfach gestrickt und spätestens bei Hekates philosophischen Ansatz gerate ich dann oftmals ins Schleudern. Vielleicht liegt mir als Pragmatikerin die Philosophie einfach nicht.

Ich bezeichne mich jetzt einfach mal als TS auch wenn es da gewisse Unterschiede gibt und stelle ein paar Aussagen in den Raum, von denen ich hoffe das sie der Sache dienlich sind.

Mir persönlich sind einige der Diskussionsbeiträge zu theoretisch und wenig realitätsbezogen. Trotzdem versuche ich jetzt mal ein paar Antworten auf Fragen zusammenzubasteln...

tanjastern schrieb

Zitat:
Mich würde auch Interessieren was Transsexuelle von uns Transvestiten halten.

Darauf gehe ich im Text hoffentlich noch konkreter ein auch wenn ich nur aus meiner Sicht schreiben kann.

lady.manu schrieb

Zitat:
sehr viele TS lehnen TV strikt ab, das weiß ich durch eigene Erfahrungen. Ich denke, viele TS sind im Grunde Heterofrauen und möchten Männer als Männer, nicht als Männer in Frauenkleidung.

Ist das jetzt eine sexuelle Aussage? Beim normal gesellschaftlichen Umgang mit Männern (ob ohne oder mit Frauenkleidung) spielt doch meine sexuelle Ausrichtung keine unmittelbare Rolle. Von daher kann ich diese Aussage nicht teilen. Mir war auch nicht bewusst das es bei Tanjas Frage um Sex ging?! Ich persönlich lehne TVs nicht ab. Mein Umgang mit einem TV wird viel eher von der möglichen Kompatibilität von Personen und Persönlichkeiten bestimmt und nicht davon ob er sich gerne als Frau kleidet.

Lena-Svenja schrieb

Zitat:
man kann zwischen TV und TS nicht unbedingt so klare Grenzen ziehen...

Ich denke ob man da eine Grenze zieht hängt davon ab in welcher Situation und unter welchem Blickwinkel man diese beiden Personengruppen sieht. Wenn ich den sexuellen Aspekt einfach mal völlig unter den Tisch fallen lasse dann wirds etwas einfacher. Dann sehe ich da schon klare Grenzen. Die Grenzen sind meiner Ansicht nach durch die tiefere Integration Transsexueller in die Gesellschaft und der sich daraus ergebenden völlig anderen Problematik gegeben. Auf die Details dieser Aussage gehe ich später noch genauer ein.

Roxanne schrieb

Zitat:
Ich denke, der Kern, um den sich alles dreht, ist das Schönheitsempfinden. Wir haben spezielle Bilder im Kopf, wie eine Frau aussehen, was sie tragen und wie sie wirken sollte. Dieses Idealbild finden wir reizvoll und schön. So schön, daß wir selbst so aussehen und wirken wollen! Das bedeutet, wir wollen auch einfach schön sein, wenn wir in die Rolle schlüpfen, wollen uns dem Idealbild eines Menschen nähern, das wir haben.

Ja, ungefähr so stelle ich mir auch die Motive von Transvestiten vor. Das ist eine gute Beschreibung. Hier aber liegt, nach meiner persönlichen Einschätzung auch der Knackpunkt im Unterschied zwischen TV und TS. Als Mensch, vielleicht auch als Mann (irgendwann bin ich ja mal von der Gesellschaft und meinen Eltern dazu erzogen worden) empfinde ich dieses Idealbild ebenfalls als schön und reizvoll. Jedoch strebe ich im Alltag nicht danach dem zu entsprechen. Mir geht es nicht darum ein Bild von Weiblichkeit zu verwirklichen sondern meine Weiblichkeit zu leben. Die drückt sich nicht in schönen, geschmackvollen, sexy Bussineskostümen, Miniröcken oder was auch immer diesem Bild entsprechen mag aus.

Vielleicht ist das schwer zu erklären und noch schwerer zu verstehen. Ich wills trotzdem versuchen.
Oftmals beklagen sich Transvestiten und Männer welche auf TV/TS stehen bei mir darüber das heutzutage Frauen nicht mehr besonderen Wert auf weibliche, feminine Kleidung legen. Frauen leben heute in einer anderen, selbstbewussteren gesellschaftlichen Rolle als noch vor 30 oder 40 Jahren. Eine Frau ist heute auch dann ein anerkanntes und leistungsfähiges Mitglied dieser Gesellschaft wenn sie einfach nur das ist was sie ist, nämlich eine Frau. Sie muss nicht mehr ein Klisché bedienen um anerkannt zu werden. Deshalb tragen Frauen heute Kleidung die nicht mehr Weiblichkeit überbetont. Trotzdem ist aber eine Frau auch in Jeans und flachen Schuhen jederzeit und auf den ersten Blick ein weibliches Wesen.
Mein eigenes Ziel liegt nicht darin, mich einem Idealbild anzunähern und es nach möglichkeit in mein Leben zu integrieren. Mein Ziel liegt vielmehr darin ganz einfach weiblich zu sein. Unabhängig von Styling und Beautyvorstellungen. Deshalb trage ich ausserhalb meines Jobs hauptsächlich völlig normale Sachen und kümmere mich wenig um Reize und Schönheit. Ich weiss nicht ob das nachvollziehbar ist.
Vor ein paar Monaten war ich im Supermarkt einkaufen. Ich war in Eile und im Schlumpf Modus. Das bedeutet Jeans, Turnschuhe, T-Shirt und ungeschminkt. Ich schob meinen Einkaufswagen durch die Gänge und ein Pärchen sorgte für Stau. Da sagte der Mann zu seiner Freundin/Frau: "Mach doch mal der Frau Platz". Ziel erreicht! Innerer Reichsparteitag Genau das isses was ich als mein Ziel bezeichne.

Lena-Svenja schrieb

Zitat:
es ist ja auch immer die Frage, um was es einem TV eigentlich geht... Nur um das Tragen von Frauenkleidern, oder auch darum, von anderen als Frau wahrgenommen zu werden, die soziale Rolle einer Frau zu (er)leben? Oder vielleicht beides zusammen?

Ja, richtig aber....
Wie ich weiter oben schon schrieb, habe ich den Eindruck das, wenn es um das Erleben der sozialen Rolle der Frau geht, diese Rolle oftmals doch definiert ist durch ein Rollenverständnis welches nicht dem Rollenempfinden heutiger Frauen entspricht sondern mehr dem, was ein Mann sich als weibliche Rolle vorstellt. Wenn ich mir Aussagen in Profilen von Transvestiten in anderen Foren durchlese wird diese Meinung noch gestützt.

Roxanne schrieb

Zitat:
.....Bösewicht zum Kerkermeister:
"Sofort in die andere Zelle mit dem Mann!"

Klasse Laughing out loud
Damit ist für mich zum Thema Schubladen schon alles gesagt.

Verschiedene schrieben

Zitat:
Leidensdruck, Leidensdruck, Leidensdruck.........

Und Jula schrieb

Zitat:
Bullshit

Klasse Jula. Irgendwann möchte ich Dich mal persönlich kennen lernen und 12 Stunden lang mit Dir über Gott und die Welt philosophieren und sehen ob unsere Ansichten und vielleicht auch die Geschichten sind ähneln. Zumindest lese ich Deine Webseite und Deine Beiträge meistens mit heftigem Nicken.

Ja klar gibts einen Leidensdruck aber definiert sich dadurch Transsexualität? Ich persönlich kenne zwei krasse Beispiele. Beide sind inzwischen PostOP. Beide hatten in ihrem Vorleben so gut wie keinen Sex (die eine war komplette Jungfrau) und ihr Leidensdruck war so gross das sie sich das Ding am liebsten abgeschnitten hätten. Beide denken heute darüber nach ob sie eigentlich wirklich transsexuell sind oder die Ursachen möglicherweisse viel tiefer in ihrer Psyche liegen und mit ihrer Geschlechtsidentität garnichts zu tun hatten.

Lena-Svenja schrieb

Zitat:
nd wir sind zu dem Schluß gekommen, daß TVs von einem gewißen Standpunkt aus gesehen eigentlich sogar das größere Problem haben.

Diesen Satz haue ich Dir in 5 Jahren nochmal um die Ohren und möchte dann den Standpunkt definiert haben....

So... mehr wie bis zur Seite 7 komme ich heute nicht mehr.... es würde wohl auch zu lange, zu allem was zu schreiben.

Liebe Grüsse

Chiana

n/v
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Guten Morgen!

Chiana_TS schrieb:
Ich war in Eile und im Schlumpf Modus. Das bedeutet Jeans, Turnschuhe, T-Shirt und ungeschminkt. Ich schob meinen Einkaufswagen durch die Gänge und ein Pärchen sorgte für Stau. Da sagte der Mann zu seiner Freundin/Frau: "Mach doch mal der Frau Platz". Ziel erreicht!

Du triffst den Nagel auf den Kopf! Danke für Deine Zeilen. Manchmal habe ich scheinbar ein Problem, mein eigenes Befinden richtig zu artikulieren. Gut, daß es Chiana gibt. Smile

Tschüßi,
Uli.

Gast
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@ China_TS

Zitat:
Mein eigenes Ziel liegt nicht darin, mich einem Idealbild anzunähern und es nach möglichkeit in mein Leben zu integrieren. Mein Ziel liegt vielmehr darin ganz einfach weiblich zu sein. Unabhängig von Styling und Beautyvorstellungen. Deshalb trage ich ausserhalb meines Jobs hauptsächlich völlig normale Sachen und kümmere mich wenig um Reize und Schönheit. Ich weiss nicht ob das nachvollziehbar ist.

Das ist nachvollziehbar, was trägst Du denn innerhalb Deines Jobs ?

Die hier so oft angesprochene Unterscheidung zwischen TV / TS präsentiert sich - wie wir lesen konnten - vielschichtiger, als sie auf den ersten Blick erscheint.

Zitat:
Ja, ungefähr so stelle ich mir auch die Motive von Transvestiten vor. Das ist eine gute Beschreibung. Hier aber liegt, nach meiner persönlichen Einschätzung auch der Knackpunkt im Unterschied zwischen TV und TS. Als Mensch, vielleicht auch als Mann (irgendwann bin ich ja mal von der Gesellschaft und meinen Eltern dazu erzogen worden) empfinde ich dieses Idealbild ebenfalls als schön und reizvoll. Jedoch strebe ich im Alltag nicht danach dem zu entsprechen. Mir geht es nicht darum ein Bild von Weiblichkeit zu verwirklichen sondern meine Weiblichkeit zu leben. Die drückt sich nicht in schönen, geschmackvollen, sexy Bussineskostümen, Miniröcken oder was auch immer diesem Bild entsprechen mag aus.

Hier genau setzt Freud an mit seinem "Felsgestein des Realen", der Phantasie,
expl. dem " Prinzip der Nachträglichkeit"

Der Artikel ist des Lesens wert und sollte unter dem Aspekt der Phantasie zur Geschlechtszugehörigkeit und daraus resultierender Psychosen unbedingt gelesen werden.

Strumpfhosenverbot

Vieles in diesem Thread ist gewiss sehr theoretisiert dargestellt worden, aber ich sehe darin eine große Hilfe um über die, so oft herbeigeredeten, Schubladenkategorien einmal hinweg zu sehen und den gesamten Komplex auch einmal aus einer anderen Blickrichtung betrachten zu können.

jean-simone
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dabei seit: 26.09.2006

Hallo

mit Interesse habe ich die vielen und manchmal auch sehr ausführlichen Postings gelesen.

Das Grundthema "Widerspruch in sich" ist ja schon sehr treffend mit vielen Fragezeichen versehen worden. Und diese Fragezeichen haben sich bei mir noch verstärkt, je mehr ich diese Textbeiträge gelesen habe.

Um was geht es ? Um TV's, um TS's, um CD's, um MzF oder FzM usw. Oder einfach nur um den Widerspruch ? im eigenen Körper, anders zu denken oder zu fühlen als es das optisch angezeigte oder angeborene Geschlecht vorgibt ?

Bei vielen Beiträgen habe ich irgendwie das Gefühl einer wissenschaftlichen Vorlesung, mehr oder weniger fundiert - oder auch nicht. Ich erlaube mir da kein Urteil. Für mich gilt ein einfacher Grundsatz des hier ja auch oft zitierten S. Freud: "alles hat seinen Ursprung im Sex".

Ob es das innerliche Fühlen ist, der Reiz der Kleidung, was auch immer. Es bringt die innere Befriedigung des menschlichen Bedürfnisses, gleicht dadurch die (innere) Spannung aus. Mehr oder weniger ist das bei allen Menschen ausgeprägt und hat nicht wirklich nur was mit dem Thema TV, TS usw. zu tun. Aber da bestimmt und sicherlich ausgeprägter als normal.

Wenn man innerlich wie eine Frau fühlt - oder meint, so zu fühlen - dann muss man äußerlich nicht wie eine Frau erscheinen oder immer wie ein Modepüppchen durch die Welt laufen. Aber es ist auch verständlich, wenn man das Äußere dann dem Inneren angleichen will. Wie oben auch schon mal sehr treffend gesagt wurde:

Zitat:
für mich ist das innerliche Fühlen wichtiger...

Leben und endlich ankommen, habe ich auch mal in einem Posting gelesen. Geht das denn ? Kommt man wirklich irgendwann man an ? Oder geht es nicht immer weiter, verändern sich die Bedürfnisse nicht permanent, entwickeln sich, verändern sich in der Priorität ? Aber ich denke, es sollte wirklich möglich sein, anzukommen. Und wenn dieses Ankommen dann auch nur ? ein Zustand des Ausgeglichenseins darstellt. Die konträre Spannung sich im eigenen Körper und im eigenen Sein die Waage hält.

Jeanette in mir hat ein Idealbild vor Augen und das versuche ich - zumindest in der Öffentlichkeit - auch optisch zu erreichen. Aber Jeanette kann auch genau so gut im Sportdress durch die Gegend joggen oder sich leger sich auf der Couch lümmeln. Je nach Stand der Bedürfnis-Priorität in mir.

Selbst mit den besten Computern und wissenschaftlichen Untersuchungen hat es noch nie jemand geschafft, diese Gedanken und Gefühle wirklich zu erforschen und erkennbar zu machen. Also tut euch selber den Gefallen und hört auf, euch selber oder gegenseitig verrückt zu machen, was ihr nun wirklich seid - TV, TS oder was auch immer.

Jean / Jeanette

HEKATE
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dabei seit: 25.09.2005

Laughing out loud An diesem gedankenreichen thread wurde vielleicht als Einziges zuweilen bemängelt, daß manche Postings zu lang und/oder zu akademisch geworden seien. Um diesem Trend entgegenzusteuern, möchte ich deshalb hier zitieren, was ich vor über 30 Jahren mal als Extrakt der damals verfügbaren Theorien gedichtet hatte:

Tiefenpsychologie des Transvestitismus
in Schüttelreimen

Wer die penislose Frau scheut,
liebt die Transvestitenschau (Freud)

Minderwertigkeitsvorwürfe alter Tadler
überkompensiert in Frau'ngestalt er (Adler)

Archetyp’sche Anima-Bejahung
fühlt er in Perücke und BH (Jung)

[Maria bitte ich, in bewährter Weise zu überprüfen, ob dies den Kernaussagen der Kapazitäten in etwa gerecht wird - und warum diese netten Beschreibungen zirkulär waren.]

:roll: Eine detaillierte Diskussion der vielen noch unerledigten interessanten Ideen sollten all wir Theorielastigen vielleicht in direkte eMails auslagern?

Die gelegentlich falsifizierophobe HEKATE

n/v
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Liebe Hekate,

dann speziell für Dich in Reimform:

Der Zirkelschluß den Jungen Adler Freud,
den Zuckerguß verschlungen hat er heut,
nur würgen muß er an des Hirnes Kernen,
und schluckt Verdruß: soll Aufbau unsrer Birne lernen.

Vor kurzem wurde doch gerade Papa Freud als der "Bringer" der modernen Neurowissenschaften gefeiert, weil er eigentlich gerne seine Vermutungen tatsächlich an den lebenden Gehirnen getestet hätte, nur war zu der Zeit noch kein fMRT greifbar...

Aber Dein Gedicht erinnert mich an ähnliche Versuche von mir, wie das folgende Gedicht zum Exhibitionismus:

Ein Exhibitionist

Was ist:
ein Exhibitionist?

Die „Ein - Mann! - Schau!“ der eignen Brunst?
ein Hingucker mit Ambition?
attention-getter unerfüllt?
in vivo darstellende Kunst?
ein Standbild rasch enthüllt?

Gesteht aus aktuellem Anlaß:
hier stehe ich, ich kann nicht anders?
Ach nein, welch eine Blamage:
es ist nur eine Vermissage.

Gast
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@ Chiana:

Diesen Satz haue ich Dir in 5 Jahren nochmal um die Ohren und möchte dann den Standpunkt definiert haben....

Was ist in 5 Jahren?

Als Standpunkt meinte ich die Akzeptanz von TS und TV in der Gesellschaft. Die meisten Menschen können sich wohl doch immer noch leichter vorstellen, daß jemand sein Geschlecht komplett für immer wechseln will; als daß jemand ständig zwischen den Geschlechtern wechselt, weil er sich auf keines von beiden festlegen kann... Deswegen fällt es wohl den meisten trotz allem immer noch leichter, eine TS zu akzeptieren oder wenigstens zu tollerieren, als einen TV... Das meinte ich mit dem "größeren Problem" von TVs...

Grüße

Lena-Svenja